Franz Kirmann - Elysian Park

Haltlos im Paradies

Das Elysian Park (Denovali/Cargo, ab heute erhältlich) charakterisierend heterogene Momentum mag sich aus zweierlei Quellen speisen: Aus Hyper Trophies, einer Video-Installation des Berliner Art-Studios Zeitguised (für die Franz Kirmann die klangliche Entsprechung beisteuerte) sowie Die Möglichkeit einer Insel, jenem epochal dystopischen Roman aus der Feder Michel Houellebecqs aus dem Jahr 2005. In diesem Sinne lässt sich das neue Album des in London ansässigen französischen Musikers Franz Kirmann (Piano Interrupted) als assoziativ wirksames Plädoyer für die Akzeptanz emotionaler Sterilität als Voraussetzung für deren Überwindung deuten.

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Franz Kirmann: "Elysian Park" (Denovali/Cargo)

Franz Kirmann: „Elysian Park“ (Denovali/Cargo)

Wesen, die wie in einer mineralisierten Nährlösung ein äußerlich attraktives und innerlich leeres Dasein fristen: modisch geklont, und doch nicht gänzlich selbstvergessen. Ihnen, den Bewohnern der Insel der Seligen, so sei es unterstellt, widmet Franz Kirmann seinen Versuch, die Befindlichkeit zwischen haltloser Leere und paradiesischen Zuständen auszuloten.

So treffen schroffe Entformungen auf monotones Innehalten, liebreizende Passagen auf irritierendes, scheinbar orientierungsloses Vexierspiel. Hinzu gesellt sich ab und an eine gewisse Nostalgie mit Bezug auf die Vergangenheit der Zukunft (Killswitch/Darknet), auf jene einst von technologischem Fortschritt evozierte Euphorie, die sich längst als obsolet erweisen musste. Die Lust an der Interpretation von Elysian Park ist dem Album immanent. Auch wenn diese Rezension als Zeugnis der persönlichen Erfahrung allenfalls das Potenzial andeutet, mit dem Franz Kirmann nahezu frei von evidenten Scharnieren und sinnfälligen Bindegliedern interagiert.

Zwischen Wasteland Condo, Lanzarote und Paradiso Beach lavieren Soundgebilde aus trügerischer Einfalt, immersiver Affirmation und einem guten Stück Bedauern um den Zustand einer Zivilisation, die an ihrer entkernten Leibhaftigkeit laboriert. Wer angesichts dieser Assoziationsfülle noch lapidar „Ambient“ urteilt, kann sich nur darauf verlassen, dass die klimatischen Verhältnisse seines Dafürhaltens diversen Fäulnisprozessen eine Art abgesicherten Modus entgegenzusetzen haben.

Hyper Trophies – Zeitguised:
vimeo.com/60100118

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