The Eye Of Time - Myth I: A Last Dance For The Things We Love

Sirenen auf dünnem Eis

Nach dem von Wut, Verzweiflung, Weltuntergangsstimmung und resolutem Protest gekennzeichneten Anti scheint Marc Euvrie zum Auftakt seiner Myth-Trilogie vage Hoffnungen zu schöpfen. Aber bereits der Titel, Myth I: A Last Dance For The Things We Love (Denovali/Cargo) deutet an, dass diese Hoffnung eher als Ausdruck der Resignation zu verstehen ist: Vielleicht ist alles schon zu spät. Darum lasst uns tanzen. Bevor sich der Verdacht erhärtet.

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The Eye Of Time: "Myth I: A Last Dance For The Things We Love" (Denovali/Cargo)

The Eye Of Time: „Myth I: A Last Dance For The Things We Love“ (Denovali/Cargo)

Als Musiker mit Meinung lässt Marc Euvrie neben seiner klassischen Ausbildung stets seine Verwurzelung in der HC und DIY-Punk-Szene mit einfließen, wenn es um die Formulierung des Dringlichen geht. Während Anti in dieser Hinsicht unverhohlen radikal zu Werke ging – und Marc Euvrie als Aktivist in arrondierten Interviews Ross und Reiter benannte – ergeht sich seine Kapitalismuskritik (letztlich lassen sich Form und Inhalt jeder klarsichtigen Gesellschaftsanalyse darauf beschränken) auf seinem neuen Output in langen Seufzern, die eher zu Tränen rühren, als das Tanzbein schwingen lassen.

Sicher lassen sich weite Strecken von Myth I: A Last Dance For The Things We Love lukullisch angehen. Als Musik zum Träumen. Vom letzten oder dem nächsten Urlaub. Oder einer besseren Welt. Doch das sich immer wieder ins Klangbild drängende Geheul der Sirenen vermiest die Laune, ähnlich wie, bewusst grob formuliert, gestrandete Leichen den Sundowner. Selten zuvor tanzten Konfrontation und Eskapismus gemeinsam auf einem derart schmalen Grad und hauchdünnem Eis. Kompliment!

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