Interview mit Vitor Joaquim

„Ohne thematische Klammern würde es mir sicher schwerfallen, Zäsuren zuzulassen“

Akademisch in Sachen Film ausgebildet, entwickelt Vitor Joaquim seit Mitte der achtziger Jahre ein ausgeprägtes Interesse am musikalischen Experiment. Inzwischen widmet er sich bevorzugt einer Akusmatik, die den Laptop zum Dreh- und Angelpunkt der von ihm erzeugten Geschehnisse macht. 1997 erscheint mit Tales From Chaos die erste Konserve, sein Album Flow wird 2006 vom Magazin The Wire zu einem der besten elektronischen Alben des Jahres erklärt. Eine vergleichbare Würdigung verdient auch sein aktueller Output: Geography (Crónica). Von daher liegt es nahe, den portugiesischen Klangkünstler einmal in Porto aufzusuchen, um – nicht zuletzt – zu ergründen, wie das gewählte Sujet zum Gelingen des Albums hat beitragen können.

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Vitor Joaquim ("Geography" - Espai d'Art Contemporani de Castelló, Valencia)

Vitor Joaquim („Geography“ – Espai d’Art Contemporani de Castelló, Valencia)

amusio: „Olá Vitor, vor einigen Tagen hast du Geography als akusmatische Performance im Teatro Académico de Gil Vicente zu Coimbra aufgeführt. Obwohl es sich bei Coimbra um eine Studentenstadt handelt, vermute ich mal, dass sich dein Publikum kaum aus Hörern der renommierten Rechtsfakultät zusammengesetzt hat. Auch Schüler der dortigen Fado-Akademie dürften eher nicht in deinem Auditorium aufzufinden gewesen sein…“

Vitor Joaquim: „Da hast du wohl recht (lacht). Es waren überwiegend Kunststudenten anwesend. Mir hat die Veranstaltung sehr zugesagt. Zunächst habe ich eine kurze Einleitung voran geschickt, untermalt von Sounds aus einer billigen Kompaktanlage. Während anschließend das Licht gedimmt wurde, ging die Verstärkung auf die große PA über. Von da an gab es, bis auf die Leuchten am Laptop, nichts mehr zu sehen. Das Publikum lag ausgestreckt auf dem Boden und konnte sich so völlig auf die Musik konzentrieren. Leider gab es zum Schluss ein abruptes Erwachen aus der akusmatischen Realität, denn ich hatte es versäumt, den Techniker darum zu bitten, das Licht nur ganz allmählich wieder aufzudrehen. Sich die Augen zu reiben und gleichzeitig applaudieren zu wollen, erwies sich nicht als ganz so einfach (lacht). Aber die Resonanz danach war dennoch sehr gut. Ich habe etliche Gespräche geführt, viele neugierige Fragen beantwortet und sogar einige CDs verkauft.“

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