Interview mit Vitor Joaquim

„Ohne thematische Klammern würde es mir sicher schwerfallen, Zäsuren zuzulassen“

Vitor Joaquim: "Geography" (Crónica)

Vitor Joaquim: „Geography“ (Crónica)

amusio: „Denkst du, dass die Käufer deiner CD das Live-Erlebnis nachempfinden wollen und Geography auch daheim im Dunkeln liegend hören werden?“

Vitor Joaquim: „Das wären natürlich die besten Voraussetzungen, um dem Album gerecht zu werden. Aber ich denke, dass vom Live-Erlebnis abweichende Hör-Situationen stets auch zu neuen Hör-Erfahrungen führen. Das kann ich natürlich nur begrüßen. So höre ich nicht nur meine eigene Musik zum Beispiel auch sehr gerne beim Autofahren. Unterwegs vernommen, scheint die Musik ihren Charakter zu verändern. Ein sehr interessanter und auch inspirierender Prozess.“

amusio: „Nun, ich habe Geography vorhin noch im Lidl gehört. Doch davon abgesehen: Gedenkst du die Reduktion visueller Elemente weiter voranzutreiben? Oder stellt das Event zu Coimbra einen Versuch, beziehungsweise eine Ausnahme dar?“

Vitor Joaquim: „Die Reduktion des Visuellen stärkt die Konzentration auf das Wesentliche: auf die Akusmatik, auf die Musik. Wenn man so will, verfolge ich mittlerweile den Verzicht auf Visual Arts und Licht mit geradezu politischem Eifer. Als ich in den Achtzigern damit angefangen habe, Musik und Augenfutter miteinander zu verbinden, war das für viele neu und somit ungemein attraktiv. Über die Jahre hinweg habe ich mit brillanten Künstlern kooperiert. Mit Liaworks, Tina Frank oder Thr3hold, um nur einige zu nennen. Inzwischen werden akusmatische Veranstaltungen jedoch vom Visuellen geradezu dominiert. Auch die Veranstalter verlangen inzwischen wie selbstverständlich eine Lightshow als Beiwerk. Mit meinem Verzicht wende mich bewusst gegen die beinahe schon obligatorische Ablenkung von der Musik, die mit der inflationären Einbindung von optischen Elementen einhergeht. Und die Musik sogar zur Nebensache degradiert. Ich will die Verhältnisse wieder zurecht rücken. Wenn Sound und Vision konzeptionell gleichberechtigt interagieren, ist das für mich nach wie vor in Ordnung. Aber wenn aus einem zunächst nur als Unterstützung gedachten Extra die eigentliche Attraktion wird, muss ich mich als Musiker unterrepräsentiert fühlen. Und das will ich nicht.“

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