Interview mit Vitor Joaquim

„Ohne thematische Klammern würde es mir sicher schwerfallen, Zäsuren zuzulassen“

Vitor Joaquim ("Geography" - Espai d'Art Contemporani de Castelló, Valencia) (Nando Deblog)

Vitor Joaquim („Geography“ – Espai d’Art Contemporani de Castelló, Valencia) (Nando Deblog)

amusio: „Also gilt der Verzicht auf Show und Licht auch als Maßgabe für deine kommenden Live-Performances?“

Vitor Joaquim: „So es überhaupt welche geben wird. Im Moment sind keine weiteren Auftritte geplant. Aber ich arbeite auch nicht darauf hin. Ich biete mich nicht an, sondern warte lieber ab, ob ich ein interessantes Angebot erhalte. Ich weiß, dass es auch anders geht. Oder im Sinne der Selbstvermarktung sogar noch viel besser. Aber das liegt mir nicht. Als Künstler empfinde ich es als wenig zielführend oder erfüllend, Zeit für die Eigenakquise aufzuwenden. Zumindest mich lenkt sie viel zu sehr vom Wesentlichen ab. Als ich von 2000 bis 2009 das EME-Festival in Setúbal mitorganisiert habe, gingen mir so manche Künstler, die ständig darauf drängten, eingeladen zu werden, gehörig auf den Wecker. Aber ich verurteile das nicht, es ist nur nicht mein Ding. Auch wenn ich vielleicht doch mal etwas aktiver werden sollte. Sollte ich? Ach, lieber nein (lacht).“

amusio: „Nun bist du vor einiger Zeit von Setúbal im Süden Portugals in den Norden nach Porto gezogen. Hast du nicht Lust, vor Ort wieder etwas zu veranstalten, etwa ein Festival ins Leben zu rufen?“

Vitor Joaquim: „Ach, wenn in Portugal nicht alles immer so furchtbar kompliziert wäre, dann schon eher. Hier musst du mit Dutzenden von Leuten und zahllosen Gremien reden, wenn du etwas auf die Beine stellen willst. Selbstverständlich sind auch die sehr begrenzten Möglichkeiten der Finanzierung ein großes Problem. Zuletzt trug ich mich mit dem Gedanken an eine Art „Drei-Länder-Projekt“. Gemeinsam mit einem Freund aus der Schweiz versuchte ich in Erfahrung zu bringen, welche Voraussetzungen – neben der Partizipation von Künstlern aus drei europäischen Ländern – erfüllt sein müssen, um Fördergelder beanspruchen zu können. Doch vor lauter Auflagen und noch mehr Optionen hinsichtlich des Programms haben wir den Faden verloren und viele Gespräche umsonst geführt. Ich glaube, ich halte mich lieber zurück. Schließlich habe ich zum Glück mehr als genug zu tun. Da muss ich nicht unbedingt auch noch als Veranstalter tätig werden, so sehr mir an der Entwicklung der experimentellen Musikszenen, gerade auch hier in Portugal, gelegen ist.“

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