Interview mit Vitor Joaquim

„Ohne thematische Klammern würde es mir sicher schwerfallen, Zäsuren zuzulassen“

Vitor Joaquim (Lais Pereira)

Vitor Joaquim (Lais Pereira)

amusio: „Dabei war oder ist die Geographie im Land der Entdecker und Eroberer doch wohl ein prädestiniertes Metier. Dein Album trägt dem Rechnung, oder?“

Vitor Joaquim: „Und ob es das tut! Ich reflektiere zahlreiche Ereignisse der portugiesischen Geschichte. Und die Spuren, die sie bis heute in der Welt hinterlassen hat. Beim Titel Domo Arigato wird das sehr deutlich. Denn diese japanische Dankesfloskel geht tatsächlich auf das portugiesische ‚muito obrigado‘ [‚vielen Dank‘, wörtlich ‚sehr (zum Dank) verpflichtet‘] zurück. Auch der japanische Begriff für Fritiertes, Tempura, ist portugiesischen Ursprungs: ‚tempero‘ [‚Gewürz‘]. Bevor die Portugiesen kamen, wurde in Japan ja fast nur Rohkost verzehrt. Doch die von uns ins Land gebrachten Gewürze veränderten die Zubereitung der Speisen und somit den Geschmack der Japaner, was angesichts einer fundamental hermetisch veranlagten Kultur doch zumindest erstaunlich ist.“

amusio: „Die Geographie gewann vor allem aber anhand der sich entwickelnden Kartographie an Bedeutung und Nutzwert…“

Vitor Joaquim: „Dem ist wohl so. Und beim Erstellen von Karten waren die Portugiesen führend. Hierauf spiele ich mit dem Track Cantino an. Im späten 15. Jahrhundert war Alberto Cantino ein italienischer Spion am Hofe von Emanuel dem Glücklichen. Nicht ganz so glücklich war er, als er erfahren musste, dass der angebliche Diplomat die geheimen Kenntnisse der Kartographie an seine Auftraggeber, darunter das Handelshaus von Herzog Ercole d’Este zu Ferrara, verriet. So ist die berühmte Cantino-Planisphäre entstanden. Was aber die Portugiesen dann doch nicht weiter störte, da sie ja inzwischen ihre kartographischen Kenntnisse längst weiterentwickelt hatten…“

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