Die in Amsterdam ansässige Pianistin Keiko Shichijo widmet sich erneut dem Erbe der armenischen Musikkultur. Auf Six Dances (Makkum Records/Platenbakkerij) interpretiert sie Werke des 1935 in einer Pariser Anstalt – an den Folgen einer im Zuge des Völkermords 1915 erlittenen Traumatisierung – verstorbenen Soghomon Soghomonyan, nicht nur in seiner armenischen Heimat besser bekannt als Komitas Vardapet. Die 1906 entstandenen Stücke repräsentieren den Geist der Belle Epoque aus dem Blickwinkel eines armenischen Geistlichen, der Vardepet („Priester“) tatsächlich vor seiner weltlich orientierten Komponistentätigkeit war und dessen Habitus er bis zu seinem Tode auch beibehalten sollte.

Keiko Shichijo / Komitas Vardapet: "Six Dances" (Makkum Records/Platenbakkerij)
Keiko Shichijo / Komitas Vardapet: „Six Dances“ (Makkum Records/Platenbakkerij)

Hervorzuheben ist bei diesen 2014 mit Arnold de Boer zu Amsterdam entstandenen Aufnahmen die molekulare Sensibilität Keiko Shichijos, mit der sie vor allem die durchdringende Leichtigkeit des Repertoires extrapoliert. Nie verlässt sie das Thema des Tanzes als Ausdruck von Eleganz und Lebensfreude aus den Augen, abstrahiert somit souverän von einer allzu seriös gedeuteten Fama des Komponisten.

Selbst wenn es im Schlussstück Shoror „majestätisch und heroisch“ zugehen soll (oder sollte), verlässt Keiko Shichijo nicht den Pfad einer ausgesprochenen Heiterkeit, die Kennern des komponierenden Musikethnologen und mittlerweile verdientermaßen zum Volkshelden erhobenen Komitas Vardapet vertraut und gewagt zugleich erscheinen mag. Frühlingsmusik zur dunklen Jahreszeit. Und eine Einladung, dem Leben und Werk des hochmusikalischen Geistlichen zu begegnen.

Shushiki:
youtube.com/watch?v=QTQuBXioOfo

keikoshichijo.com
facebook.com/keiko.shichijo
makkumrecords.nl

dense.de

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