Köln, Gebäude 9: Swans

Inkarnation der Thermodynamik

Die Swans auf ihrer Abschiedstour als personell festgelegtes Konsortium: Den Auftakt zur zweiten Runde durch deutschsprachige Gefilde macht Köln, geradezu traditionell im ausverkauften Gebäude 9. Novizen staunen, Kenner vergleichen. Monieren hier und da Details, die Oberschwan Michael Gira wohl kaum dem Zufall überlassen hat. Also muss der Eindruck eines (an diesem Abend) zu höhenlastig ausgerichteten Sounds den kranken Ohren des Empfindenden angelastet werden.

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Michael Gira (Jens Wassmuth)

Michael Gira (Jens Wassmuth)

Am allerwenigsten wohl Kristof Hahn, dessen manisch-depressives Gleiten über die Pedal Steel vom gegebenen Klangbild in besonderem Maße profitiert. Den entsetzlichen Nikotin-Entzug mit verbissenem Gummikauen die Schärfe nehmend, achtet er darauf, dass seine Frisur sitzt. Nach einem prinzipiell nicht enden wollenden Intro von über einer halben Stunde Edging gilt sein erster Griff dem Kamm. Gut der Mann. Brachial-Perkussionist Thor Harris glänzt leider durch Abwesenheit.

Derweil (und im weiteren Verlauf des zweieinhalbstündigen Ereignisses) versuchen weite Teile des sichtlich arrivierten Publikums die stoische Haltung des Norman Westberg on stage einzuhalten. Die Contenance zu wahren, wohl auch um sich dem Verdacht zu entziehen, nicht geahnt zu haben, auf welch einleuchtende Manier ein Aufleben der Swans danach trachtet, das hehre Wissen um die eigene Hilflosigkeit gegenüber der Macht des Moments zu offenbaren. Coolness als Kür in eigener Sache.

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