Tazartés, Romańczuk, Załęski - Carp's Head

Rogalówer Märchenstunde

Die Katzen haben Karpfenköpfe, Ghédalia Tazartés, Paveł Romańczuk und Andrzej Załęski ein Album am Start, das im Sinne eines vollkommen eigenständigen Musikverständnisses märchenhafte Ereignisse aus einer verwunschenen Fauna heraufbeschwört. In neun (bzw. in der CD-Version zehn) recht spontan zu Rogalów (Woiwodschaft Lublin) entstanden Tracks geschieht Unerhörtes, sich sämtlichen Kategorien Entziehendes – auf Basis von entkanonisiertem Dark Art Folk und ungehemmt flottierender Kammermusik.

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Tazartés, Romańczuk, Załęski: "Carp's Head" (Vinyl-Cover, MonotypeRec.)

Tazartés, Romańczuk, Załęski: „Carp’s Head“ (Vinyl-Cover, MonotypeRec.)

Dabei löst Carp’s Head (MonotypeRec.) Erinnerungen an die frühkindliche Welterfahrung aus. Was der französische Mysterienmusiker Tazartés hier gemeinsam mit den beiden polnischen Tausendsassas (Romańczuk ist u. a. Spezialist für Mini-Instrumente, Załęski u. a. Kurator des „Program Strefa“ im Zentrum für zeitgenössische Kunst zu Warschau) ausbaldowert hat, gemahnt an den ersten Blick in ein Bilderbuch oder den Erstkontakt mit Puppenspiel und Zeichentrick, sprich: An die erste Konfrontation mit einer Welt, deren Ursprung der Phantasie eines Menschens unterliegt, der nicht als „Gott“ apostrophiert wird.

Beseelt von Paveł Romańczuks enormen Fundus an selten gespielten oder noch seltener im Kunstlied Verwendung findenden Instrumenten, dynamisiert von Andrzej Załęski höchst variablem Rhythmusgefühl und von Ghédalia Tazartés‘ Vokalakrobatik ins Erzählerische überführt, pochen die durchaus auch als „schön“ zu empfindenden Songkonstruktionen per se auf völlige Unabhängigkeit von gebrauchsfertigen Mustern, die bekanntlich ca. 99 % der weltweiten Musikproduktion ausmachen.

Wenn dann, wie etwa bei Wolves And Thieves, der Gegenstand überdreht neurotische Formen anzunehmend droht, erinnert das Trio entfernt an gewisse elektroakustische Versatzstücke oder – man höre und staune – an den Anarcho-Flamenco á la Von Magnet. Bevor nun wieder Begrifflichkeiten wie „Magie“ oder „Spiritualität“ die Runde machen, beschränken wir uns auf das Sagbare: Carp’s Head gleicht einer Erfahrung, in deren Anschluss man zwar noch weniger von der Welt versteht als zuvor, sich jedoch aufgrund des Nachweises phantastischer Unergründlichkeit durchaus erleichtert zurücklehnen und auf die nächsten eigenen Träume hoffen kann.

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