Der Übergang zum galanten Stil

Cembalokunst im Rokoko

Im Umfeld von La Rochefoucauld und La Bruyère am französischen Hof zur Zeit von Ludwig XIV. wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn auch Komponisten bestimmte Personen hinter ihren generalisierenden Werktiteln versteckt hätten.

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Eine Damenpantolette lässt den heimlichen Schuhliebhaber erröten: Fragonards 'Les Hasards heureux de l'escarpolette' (1787-68, p.d.).

Rokoko in der Bildenden Kunst: Fragonards ‚Les Hasards heureux de l’escarpolette‘ (1787-68, p.d.).

Gab es konkrete Vorbilder etwa für François Couperins frühe Sonaten La Visionnaire, La Pucelle oder La Piémontaise oder handelt es sich doch nur um Charakterisierungen der vom Tanzcharakter befreiten Suiten, in denen er seine ganze Virtuosität entfalten und alle Register ziehen konnte? Im Falle von Jean-Philippe Rameaus Benennungen seiner Cembalowerke scheint der Fall auch nicht weniger verzwickt: Bezeichnen  Titel wie La Villageoise, La Follette oder La Triomphante wirklich nur das Genre der Suite oder der Sonate und ihre jeweilige lokal-folkloristische Eigenart oder könnten sie sich auch auf Personen beziehen? Denn es handelt sich angesichts der Entstehungszeit doch um sehr individuelle Porträts. Vollends deutlich wird dies, wenn Rameau die Ehefrauen oder Geliebten konkurrierender Komponisten und namhafter Musiker adressiert; so tragen Sätze die Namen La Forqueray, La Marais oder La Lapoplinière.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.