Zunächst fällt es schwer, einer Produktion, an der Peter Plate (Ex-Rosenstolz, Sarah Connor, Bibi und Tina) maßgeblich beteiligt ist, pro forma nicht die Leichtigkeit des Seins zu unterstellen. Doch das nach einigen Vorboten mit nicht unerheblicher Spannung erwartete Debütalbum der in Berlin ansässigen früheren Tänzerin Maxine Kazis – Die Evolution der Maxine Kazis (pop-out Musik/Polydor/Universal, ab Freitag) – überrascht nicht nur in dieser Hinsicht: Mit einer stilübergreifend und bisweilen erstaunlich rau gehaltenen Mischung artikuliert sich die 27-jährige als verletzlich, stark und – trotz so manch erlittenen Rückschlag – ungebrochen lebenshungrig.

Maxine Kazis: "Die Evolution der Maxine Kazis" (pop-out Musik/Polydor/Universal)
Maxine Kazis: „Die Evolution der Maxine Kazis“ (pop-out Musik/Polydor/Universal)

Das sinnlich reduzierte Cover soll wohl von der Aufrichtigkeit künden, mit der die Künstlerin ins Feld zu ziehen gedenkt. Keine falsche Scham. Und erst recht aber keine aufgesetzten Aussagen um des lieben Friedens Willen. In Bezug auf den Albumtitel wirft die Gestaltung jedoch Fragen auf: Ist die Evolution der Maxine Kazis bereits abgeschlossen? Oder wird sie gleich aufstehen und den aufrechten Gang erst noch erlernen müssen?

Zieht man endlich die kaleidoskopisch veranlagte Songsammlung hinzu, findet sich auch die entscheidende Antwort: Die Evolution bleibt Prozess, und Maxine Kazis befindet sich mittendrin. Mitten im Leben und ganz bei sich selbst. Dabei nimmt sie auf die Wahrung einer vornehmen Distanz keine Rücksicht. Und schont sich dabei selbst am allerwenigsten. Herausragende Titel wie der Opener Zug nach Berlin, das forsch ambivalente gestaltete Dreck oder der ergreifende Abgrund mögen als Zumutung empfunden werden, so verzärtelte Poesie und indifferente Phrasendrescherei a priori vermutet wurden.

Im Vergleich zu arrivierten Sängerinnen – von Alina Süggeler (Frida Gold) bis Sarah Connor, die in einem sehr weit gefassten Sinne ähnlich agieren – profitiert Maxine Kazis von ihrem absolut glaubwürdigen Ansatz, sich aus gutem Grund als Mittelpunkt der Welt zu erachten und entsprechend zu gerieren. Auch wenn es bisweilen noch an textlicher Präzision und kompositorischer Finesse fehlt, so dürfte klar sein, dass die Luft nach oben für Maxine Kazis zukünftig weniger dünn sein wird, als noch vor der Veröffentlichung ihres insgesamt gelungenen Debüts.

Zug nach Berlin:
youtube.com/watch?v=rYR8pzO1dvY

06.12. München (Backstage Club)
07.12. Stuttgart (Club Zwölfzehn)
10.12. Greven (Kesselhaus)
11.12. Berlin (Privatclub)
13.12. Hamburg (Kleiner Donner)

maxinekazis.com
facebook.com/maxinekazis.official

 

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