Nach den in überaus vielfältiger Hinsicht Exempel statuierenden Electronica – Volumes 1 & 2 nun noch ein lauer, dem eigenen Durchbruch geschuldeter Nachschub auf altem Buckel? Mitnichten. Oxygene 3 (Sony Music, ab Freitag in nahezu sämtlich erdenklichen Formaten erhältlich) erweist sich als unerlässliche Quintessenz, als vergeistigte Muskelspielerei, als friedfertige Kampfansage gegenüber den Tücken einer analog digitalisierten Welt, die ihren Bewohnern stets mindestens ein Bit voraus ist. Chapeau!

Jean-Michel Jarre: "Oxygene 3" (Sony Music)
Jean-Michel Jarre: „Oxygene 3“ (Sony Music)

„Ich dachte darüber nach, wie Oxygene klingen würde, wenn ich die Musik heute komponieren würde“, so Jean-Michel Jarre. Nun, den Konjunktiv hat er in Form eines Statements entkräftet, das nicht allein werkhistorisch kaum Widerspruch duldet. Die Art und Weise, wie er die sattsam bekannten Floskeln der Vorläufer ins akute Klangbild webt, dürfte nicht nur Nostalgikern Tränen der Anerkennung aus den dafür vorgesehenen Drüsen jagen.

Scheinbar leichter Hand lässt der Meister aus Frankreich so ungefähr alles Revue passieren, was populäre Electronica in den vergangenen drei Dezennien so alles verzapft hat. Ausgehend vom eigenen Beitrag wird tangiert, was dem Status Quo niet- und nagelfest dünkt: Musique concrète, Kraftwerk, Depeche Mode, Air, Techno – alles drin, in diesem Gas aus der Sauerstoffmaske, das offenbar nimmer versiegen will.

Dass es Jean-Michel Jarre bei dieser offenherzigen Nabelschau der Möglichkeiten zudem noch gelingt, eine sentimental anmutende, letztlich aber nur gerechte Note aus Zweifel und Verzweiflung mitschwingen zu lassen (das Cover spricht Bände), erhebt Oxygene 3 in den Status eines verdammt wichtigen Albums. Wer das nicht fühlt, hat schon längst auf Kohlenmonoxyd umgeschaltet. Und hierzu dient nicht allein die sich im Orgelklang vom zwanzigsten (und letzten?) Teil erhebende Ermahnung samt Donnergroll.

Es ist dieses abschließende Oxygene 20, das allerletzte Zweifel an der Integrität des Jean-Michel Jarre in Wohlgefallen auflöst. Eine achtminütige Conclusio, ein Fazit, das sich im eigenen Vollzug seines Fatalismus entzieht. Wer auch immer im Nachhinein die vorangegangenen Teile als eigene Jugendsünde ratifizierte, sollte sich endlich eines Besseren belehren lassen.

Oxygène 17:
youtube.com/watch?v=9WUoT6GVtXI

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