Nach der Abdankung von Sängerin Sarah Layssac steht mit Manuel Munoz nun ein männliches Gesangstalent dem Schaffen der mindestens außergewöhnlichen Death Metal Band um Drummer Foued Moukid vor. Ein alter Bekannter (wie der Chef, so auch er ein Ex-The Old Dead Tree), der mit dafür in Haftung genommen werden mag, dass Kelem (Overpowered/Cargo) im Vergleich zum zurecht viel beklatschten, wenngleich eher dem Gothic Metal zuzuschlagenden Vorgänger Sofia doch etliche musikalische Kawentsmänner mehr am Start hat. Das geht zwar weiterhin auf Kosten der einst eingeführten Orientalik, doch wird dafür mit hymnischer Ausgefuchstheit brilliert.

Arkan: "Kelem" (Overpowered/Cargo)
Arkan: „Kelem“ (Overpowered/Cargo)

Wenn man so will, haben sich Arkan mit Kelem ein drittes Mal neu erfunden. Denn nachdem der einst als Markenzeichen fungierende Einsatz von Oud, Derbouka oder Bendir von Album zu Album immer weiter zurückgefahren wurde und sich mit besagtem Sofia eine Hinwendung zu sanfteren und melancholischeren Tonalitäten vollzog, erweisen sich Arkan 2016 als eine Organisation, die wie kaum eine zweite zwischen Prog Metal und Death Metal vermittelt. Auf Anhieb bieten sich da allein Evergrey zum direkten Vergleich an. Doch – und an diesem Punkt findet sich der besonders köstliche Vorzug von Kelem – hat diese Trendwende keineswegs zu einem Verlust der eigenartig erhebenden Melodik geführt. Nur dass sie nun in ein bisweilen ausgesprochen brachiales Gewand gepackt wird.

Ein Gewand, das – man wird es bereits erahnt haben – der von Paris aus agierenden Band mit algerischen Wurzeln ausgezeichnet steht. Weil eben kaum noch Luft zwischen die gleichermaßen mit Inbrunst und Versiertheit zelebrierten Vollmundigkeiten passt. Produzent F. Maxime Boutault hat da mehr als nur Spuren ganzer Arbeit hinterlassen. Und doch wären Arkan nicht Arkan geblieben, hätten sie neben Totschlagargumenten wie Erhal nicht auch reichlich Midtempo im Angebot. Und wenn mal anderthalb Minuten genügen müssen, um alles in die Waagschale zu werfen (wie bei den Relais-Tracks Eib und As A Slave), dann reicht das auch.

Neben dieser fokussierten Entschlackung bleibt das melodische Erbe des Maghreb – auch anhand der melodischen Diktion – zwar nicht federführend, aber es ermöglicht Arkan nach wie vor, sich vom Gros abzusetzen und weiterhin eine ganz eigene Sprache zu formulieren.

„Nour“:
youtube.com/watch?v=mmLKfCxTmNY

arkan.fr
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