Von seinem Epizentrum bei Roermond ausgehend, ereignete sich in den Morgenstunden des 13. April 1992 ein Erdbeben, das noch weit über das Rheinland und die flandrische Tiefebene hinaus seine Auswirkung entfaltete. Am Abend zuvor gab John Cale ein umjubeltes Konzert im Palais des Beaux-Arts zu Brüssel. Umjubelt bis zu jenem Moment, als dem Publikum dräute, dass der Künstler es bei einer knapp einstündigen Performance belassen würde. Ob der sich anschließende Tumult im Zusammenhang mit dem Erdbeben stand, konnte bis heute nicht geklärt werden.

John Cale: "Fragments Of A Rainy Season" (Domino Records/GoodToGo)
John Cale: „Fragments Of A Rainy Season“ (Domino Records/GoodToGo)

John Cale indes ergänzte seinen Auftritt in Brüssel um Auszüge von zwei weiteren Konzerten und veröffentlichte die Mitschnitte als Fragments Of A Rainy Season auf einer CD, die bis dato für 464,63,- Euro auf amazon gehandelt wird. Inwiefern sich die soeben erschienenen, erstmals auch auf Vinyl erhältlichen Neufassungen auf diesen Preis auswirken werden, sei dahingestellt. Fest steht, dass es kaum einen besseren Indikator geben kann, um die Überfälligkeit dieses Re-Releases (Domino Records/GoodToGo) zu untermauern.

Nach seinen epochalen Dylan Thomas-Interpretationen Words For The Dying (1989), dem Versöhnungsalbum mit Lou Reed im Andenken an Andy Warhol (Songs For Drella, 1990), Wrong Way Up an der Seite von Brian Eno im selben Jahr – sowie dem Soundtrack Paris s’éveille im Jahr darauf – ist John Cale nicht nur anerkannt. Sondern auch wieder angesagt. Es entwickelt sich ein Hype um einen Musiker, der spätestens Mitte der achtziger Jahre ins musikalische Abseits geraten zu sein schien.

Die Fragments Of A Rainy Season begründende Tour erweist sich als Triumphzug – mit eingangs erwähntem Beigeschmack. Zum gefühlten Höhepunkt der ursprünglich 21 (und nun um sieben Outtakes aufgestockten) Live-Tracks avanciert Cales Version von Leonard Cohens Hallelujah. 24 Jahre später von einer Koinzidenz der Ereignisse sprechen zu wollen, würde auf einen Mangel an Sensibilität und an Fatalismus gleichermaßen schließen lassen. Und sich somit konträr zu dem verhalten, was John Cale seit jeher und über den heutigen Tag hinaus auszeichnet.

Hallejuja:
youtube.com/watch?v=-gi3J8nPKPE

john-cale.com
facebook.com/OfficialJohnCale

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