Supplement zu Season's Greetings

Brass Sounds round Europe – Silvester und Neujahr

Was erwartet die Metropolen unseres Liliput-Erdteils am Silvester- und Neujahrstag? Gemeint ist hier nicht das große politische Tagesgeschehen, sondern Momente der Freude, die durch Musik vermittelt werden. Dafür stehen nicht zuletzt auch regional rührige wie intraeuropäisch agierende neue Klassik-„Stars“: Neben der Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla, die in kurzer Zeit einen nahezu kometenhaften Aufstieg hinlegte, ihrem litauischen Landsmann, dem Pianisten Gustas Raudonius, der spanischen Sängerin Natalia Labourdette oder ihrer austrobritischen Kollegin Anna Prohaska wäre an dieser Stelle auch der eben erst 12jährige russische Klaviervirtuose Dmitry Ishkanov aus Malta zu nennen, der beim Wettbewerb Eurovision Young Musicians 2016 erfolgreich mitbot.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Auch in Wales haben Brass Bands seit dem 19. Jahrhundert Konjunktur in der Weihnachtszeit (Tim Vickers, 22.12.2007, GNU Free Doc. Lic.).

Auch in Wales haben Brass Bands seit dem 19. Jahrhundert Konjunktur in der Weihnachtszeit (Tim Vickers, 22.12.2007, GNU Free Doc. Lic.).

Aber was wäre die Weihnachtszeit ohne „Blech“? Auf der Tradition stadtbediensteter Turmbläser und Dorfkapellen kann so manches Ensemble aufbauen, dem sonst oft leider nur am Rand Aufmerksamkeit geschenkt wird – abgesehen etwa von Lokalmatadoren hierzulande wie LaBrassBanda, Blechschaden oder German Brass. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass der Ursprung solcher Formationen in der englischen Militärmusik um 1830 liegt, als sich allmählich Bläsermusik von ihrer obrigkeitsstaatlichen Zweckgebundenheit zu emanzipieren begann. Es dauerte natürlich nicht lange, bis die Brass-Welle über den Ozean schwappte und so entstanden in der Neuen Welt rasch weitere Bands. Heute erfreuen sich solche wie die N’Awlins Brass Band – wie der Name sagt aus New Orleans – regen Konzertzulaufs.

0:04 Uhr am Neujahrstag 2009: Das große Tivoli-Feuerwerk in Kopenhagen leitet das neue Jahr ein (Stig Nygaard, CC-Liz.).

0:04 Uhr am Neujahrstag 2009: Das große Tivoli-Feuerwerk in Kopenhagen leitet das neue Jahr ein (Stig Nygaard, CC-Liz.).

Dabei sind in und um England herum in vielen Ländern Blasmusikbewegungen im klassischen Sektor zu verzeichnen: Die nahezu vierzig Musiker der Paris Brassband unter Florent Didier, die gerne in der Aufstellung eines Symphonieorchesters „in Frack und Schale“ auftreten, zogen seit 2012 das Interesse auf sich, als sie mehrmals hintereinander (bis 2016) die französische Championship für sich entschieden. Beim diesjährigen Lissabonner Festival Com’Paço traten zwischen dem 25. und 30. Juni portugalweit die musikalischen Blechlawinen gegeneinander an; auch die Azoren hatten eine Vertretung geschickt. Das Ganze kulminierte auf dem Rossio-Platz mit einem imposanten Sound Clash von insgesamt 400 Musikern.

Ein festliches klassisches Neujahrsprogramm bieten die fünf Herren der Royal Danish Brass am 2. Januar 2017 in der Sankt-Bendts-Kirche im dänischen Ringsted (15.2.2012, Robert de Jong, CC-Liz.).

Ein festliches klassisches Neujahrsprogramm bieten die fünf Herren der Royal Danish Brass am 2. Januar 2017 in der Sankt-Bendts-Kirche im dänischen Ringsted (15.2.2012, Robert de Jong, CC-Liz.).

Zurück in die Gegenwart für alle, die ein gemischtes Programm bevorzugen: Im Londoner Troxy ist am Silvesterabend die Renegade Brass Band zu Gast, im Hootananny Brixton kann man schon am Tag zuvor die „frauenlastige“, karibisch anmutende Bläserformation Kokoroko inklusive Mc Honey Brown miterleben, im Gegenzug lassen sich die Herren in Newcastles Hoochie Coochie in Gestalt der boys of brass gleichfalls am 30. Dezember mit schwerem „Geschütz“, unter anderem einer Tuba, sowie viel Funk, Jazz, Soul und Pop im Programm hören. In Dänemarks Zentrum aller festlichen Vergnügungen, nämlich dem Tivoli Park, dürfte sich auch die Tivoli Youth Guard in Uniform die Ehre geben. Ein kleines, aber klassisches Ensemble, das nur aus fünf Mitgliedern besteht, ist die namhafte Royal Danish Brass, die erst am 2. Januar in der Ringsteder St.-Bendts-Kirche um 12.30 Uhr ihre besten Neujahrswünsche mit Hörnern, Trompeten, Fagott und Tuba ausposaunen wird.

 

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.