Interview mit Gareth Dickson

„Ich kann keine Songs im Kopf schreiben“

Gareth Dickson: "Orwell Court" (12k/Godbrain)

Gareth Dickson: „Orwell Court“ (12k/Discolexique/Godbrain)

amusio: „Vielleicht ist aber deine ganz spezielle Qualität das Problem?! Ich habe den Eindruck, dass es dir bis dato zumindest in Frankreich recht gut gelungen ist, dich zu positionieren und auch zu etablieren, oder?“

Gareth Dickson: „Hierfür gibt es eine einfache Erklärung, die vermutlich auch den Kern der Sache trifft. Ich habe dort bislang am häufigsten live gespielt. Und das wohl vor allem aus einem rein praktischen Grund: relativ kurze Anfahrtswege. Also habe ich in Frankreich noch am ehesten Basisarbeit geleistet, so zuletzt noch im Dezember auf einer fünf Stationen umfassenden Tour. Dagegen habe ich schon länger nicht mehr in Glasgow oder in der Gegend hier gespielt. Denn irgendwann werden selbst die eigenen Freunde des Ganzen überdrüssig (lacht). Aber es geht voran. So verzeichne ich zum Beispiel einen durchaus als substanziell zu bezeichnenden Anstieg in Sachen Airplay. Ich habe die Veranlassung zu glauben, dass sich meine Angelegenheit in eine begrüßenswerte Richtung bewegt, wenn auch recht langsam. Aber immerhin.“

amusio: „Bist du der Typ, den die Pressemitteilung zu Orwell Court beschreibt?“

Gareth Dickson: „Auch wenn der Text nicht von mir stammt, so fußt er doch auf einer recht guten Kenntnis meiner privaten Vorlieben. Ob mein Kleidungsstil tatsächlich den Gepflogenheiten des sogenannten Normcore entspricht, kann ich nicht beurteilen. Aber an Mode bin ich wahrlich nicht sonderlich interessiert. Doch ich spiele Tennis, ernähre mich vegan und fahre einen Rover 75. Britisches Design mit deutschem Motor: Stilvolle Zuverlässigkeit, erstaunlich günstig im Unterhalt.“

Gareth Dickson (facebook.com/garethdicksonmusic)

Gareth Dickson (facebook.com/garethdicksonmusic)

amusio: „Im Vergleich zu deinen vorherigen Alben erweist sich Orwell Court um etliche Grade düsterer, schwermütiger oder zumindest nachdenklicher. Stimmst du dieser Einschätzung zu?“

Gareth Dickson: „Im Hinblick auf die dominante Atmosphäre des Albums: Ja. Aber ich denke auch, dass Orwell Court recht zugänglich ausgefallen ist. Ehrlich gesagt, verschwende ich beim Songschreiben kaum Gedanken an einheitliche Wirkweisen.“

amusio: „Aber indem du eine Song-Ikone wie Atmosphere von Joy Division coverst, deutest du doch zumindest tendenziell eine dezidierte Tonalität an, oder?“

Gareth Dickson: „Ursprünglich hatte ich mich diesem Song vor rund drei Jahren im Rahmen einer geplanten Label-Compilation gewidmet. Er wurde mir quasi nahegelegt. Und ich freundete mich mit ihm an. Da die Veröffentlichung des Samplers verworfen wurde, sprach für mich nichts dagegen, den Song auf mein eigenes Album zu packen.“

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