Interview mit Gareth Dickson

„Ich kann keine Songs im Kopf schreiben“

Gareth Dickson (facebook.com/garethdicksonmusic)

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amusio: „Reden wir lieber wieder über wichtige Dinge. Beherzigst du weiterhin die Methode, über Improvisation zu deinen Songs zu gelangen?“

Gareth Dickson: „Ja, an dieser Vorgehensweise hat sich nichts geändert. Ich plane keine Songs. Selbst bei einem so verschachtelt konstruierten Gebilde wie The Hinge Of The Year war das nicht anders. Ich kann keine Songs im Kopf schreiben. Sie entstehen vielmehr anhand der Kombination mehrerer improvisatorisch entstandener Ansätze.“

amusio: „Und du verfügst über ein Selbstvertrauen, das dich dazu ermächtigt, zu wissen, wann eine Idee das Verfolgen lohnt?“

Gareth Dickson: „Ich bin kein Jazzmusiker, der aus Selbstzweck improvisiert. Was mich nicht im Innersten erregt, taugt für mich nichts. Ich bin auch kein Theoretiker, der Effekte kalkuliert. Darum ordnen sich die einzelnen Elemente meiner Musik stets ganz wie von selbst dem sie fundierenden Fließen unter. So erklärt sich auch meine Nähe zum Ambient, meine sich unterbewusst manifestierende Vorliebe für klassische Melodiethemen sowie die nach wie vor starke Verbundenheit zu Gitarristen und Songwritern wie Nick Drake oder Bert Jansch.“

amusio: „Eine vielleicht zu ungewöhnliche Kombination für die Singer/Songwriter und Folk-Charts dieser Welt…“

Gareth Dickson: „Ich bin noch nicht in der Lage, konventionell zu werden. Aber ich arbeite daran, irgendwann einmal (lacht).“

Gareth Dickson (facebook.com/garethdicksonmusic)

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amusio: „Lass uns doch noch ein paar weitere Referenzen ins Spiel bringen. So erinnert mich nicht allein die Gesangsführung von Big Lie an John Cales Lie Still, Sleep Becalmed, das von seinem sinfonisch ausgestatteten Album Words For The Dying stammt…“

Gareth Dickson: „Besagten Melodieaufbau habe ich, wenn überhaupt, bei Wagners Ring der Nibelungen abgekupfert. Vermutlich hat das John Cale auch gemacht (lacht).“

amusio: „Bei Red Road assoziiere ich einen Namen, der im Zusammenhang mit dir, soweit ich weiß, noch gar nicht gefallen ist: Leonard Cohen. Insbesondere sein Album Songs Of Love And Hate – und ganz speziell der dort enthaltene Song Avalanche – kommt mir hier in den Sinn…“

Gareth Dickson: „Das kann ich absolut nachvollziehen. Vermutlich ist sein Einfluss auf mich noch größer, als mir dies selbst bewusst ist. Tatsächlich war er immer einer meiner Favoriten, mindestens gleichwertig mit Nick Drake oder Bert Jansch, auch wenn er ganz anders singt als ich. Aber das ist ja nicht das entscheidende Kriterium hinsichtlich der Stimmigkeit dieser willkommenen Referenz.“

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