Interview mit Hans Castrup

„Ich behaupte für mich auch die Verlegenheit eines Prinzips“

1957 in Osnabrück geboren und noch heute vor den Toren dieser Stadt residierend, setzt sich Hans Castrup als freischaffender Maler, Grafiker, Fotograf, Texter und bei weitem nicht zuletzt als Musiker bevorzugt mit der Schaffung abstrakter Räumlichkeiten auseinander, deren Erfahrung er als ein der Welt zugewandter Geist gerne teilt. Im vergangen Jahr veröffentlichte er hierzu gleich zwei in sich geschlossene Musikwerke: Innerer Dialog # 9 samtdreier begleitender Videos sowiedas „Instant Hörbuch“ Lizenzfreie Restwärme oder: Die Klaviatur des Quadrats, das unlängst von dem polnischen High Fidelity-Magazin als eine der besten Produktionen des Jahres gekürt wurde. Dass sich im Zusammenhang mit seinem Namen auch gerne an die legendären Poison Dwarfs erinnert wird, sollte in unserem Gespräch dann auch noch Berücksichtigung finden.

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Hans Castrup (Hans Castrup)

Hans Castrup (Hans Castrup)

amusio: „Im weiten Feld der Akusmatik ist dieser Tage ein Trend vernehmbar, der sich gegen den Status eines sine qua non von visuellen Ergänzungen bei Live-Performances richtet. Was denkst du als bildender Künstler mit musikalischen Ambitionen über die Gewichtung von akustischen und optischen Inhalten im Rahmen von primär dem Hörsinn geschuldeten Veranstaltungen?“

Hans Castrup: „Neben den gewachsenen Verflechtungen von Musik mit den Ausdrucksformen der Multimedia, die häufig von den Urhebern in Personalunion bestritten werden, sollte man den Aspekt der Gewöhnung des Publikums nicht unterschätzen. Ich erinnere an das nach wie vor allgegenwärtige Musiktransportmittel Videoclip, auch wenn dieses Vehikel weniger mit einer Konzertsituation zu tun hat. Allgemein besitzt die Simultanität von Musik und Bild ihre Berechtigung, wenn sie gemeinsame Bedeutungsebenen erschließt. Oder zumindest dazu beiträgt, dass sich Klang und Vision gegenseitig stützen. Es ist für mich wohl verständlich, wenn Musiker einfordern, dass ihr Publikum konzentriert zuhört und sich nicht länger von Begleiterscheinungen ablenken lässt, beziehungsweise diese gar erwartet und einfordert. Dies setzt natürlich voraus, dass die Musik auch darauf angelegt ist, unabhängig von jeglichem Beiwerk in der Live-Situation zu bestehen.“

amusio: „Begreifst du die visuellen und die akustischen Disziplinen deiner Arbeit als
untrennbare Entitäten?“

Hans Castrup: „Ich trenne die Dingenicht voneinander. Zwar bin ich nicht im Live-Gewerbe unterwegs, aber auf beiden Kunstebenen quasi gleichzeitig und nahezu identisch gewichtet tätig. Als bildender Künstler und als Musiker. Für mich besteht ein enger Zusammenhang zwischen diesen Werkebenen. Ich arbeite stets daran, sie miteinander zu verweben. Jedoch nicht derart, dass ein Element das andere interpretiert oder über dessen eventuell vorhandene Schwächen hinwegtäuscht. Bild und Musik sollten in jeweiliger Eigenart bestehen, dabei nach Möglichkeit stets Hand in Hand gehen. Oder auch mal gehörig in Konflikt geraten, das möge beileibe nicht ausgeschlossen bleiben.“

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