Interview mit Hans Castrup

„Ich behaupte für mich auch die Verlegenheit eines Prinzips“

Hans Castrup: "Lizenzfreie Restwärme" (karlrecords.bandcamp.com)

Hans Castrup: „Lizenzfreie Restwärme“ (karlrecords.bandcamp.com)

amusio: „So magst du dich als Schöpfergott wähnen. Oder zumindest als jeweils erster Entdecker…“

Hans Castrup: „Nun, ich suche ja nicht direkt nach diesem Neuen, um mich als Schöpfer oder Entdecker zu gerieren.Das wäre unnötiger Aufwand an Zeit und Mühe. Die Erfahrung in Sachen Kunstproduktion zeigt: Je verbissener man etwas sucht, desto geschickter verbirgt es sich und desto weniger ist man ästhetisiert für das, was sich an der Peripherie des gerade aktuellen Geschehens abspielt. Das gilt aber bei weitem nicht allein für die Kunst. Jedoch ist es so, dass ich, wenn ich Prozesse – meiner Meinung nach – hinlänglich durchdrungen und womöglich sogar verstandenhabe, langsam aber sicher das Interesse an ihnen verliere und es somit an der Zeit ist, mir andere Aufgaben zu stellen. Auch greife ich interessante Fehler stets gern auf und versuche, aus ihnen Prinzipien abzuleiten. Indem ich meine eigenen Verfremdungen erschaffe, versichere ich mich gleichzeitig der Existenz dessen, was ich an Musik aufnehme oder male, was ich filme oder fotografiere. Das Eigene setze ich hier in Anführungszeichen, da eine Sicherheit über die Ursprünglichkeit dessen, was man heutzutage an künstlerischen Erzeugnissen produziert, aufgrund der Vielfalt der Informationsfluten immer weniger Bestand wahrt. Und man als Künstler jeglicher Couleur schließlich stets auf den Schultern Vorangegangener steht. Oder auch sitzt, je nachdem, wie sehr man Wert auf Bequemlichkeit legt. Und außerdem – was gehört einem schon auf Erden? Es ist so, dass ich stets einen gewissen Zweifel – das Wort ist nicht ganz passend, mir fällt aber kein treffenderes ein – an dem von mir produzierten Material mit mir herumtrage. Dieser Zweifel dient wiederum als Treibstoff, um fortzufahren.“

amusio: „Aber irgendwann sollte eine Arbeit doch auch mal abgeschlossen und fixiert sein. Woran erkennst du den Moment der Fertigstellung? Doch sicher nicht erst dann, wenn dich ein Projekt zu langweilen beginnt, oder?“

Hans Castrup: „Die Entscheidung, ob etwas fertig ist, wird mir normalerweise vom geschaffenen Objekt abgenommen. Das heißt, Bilder sowie Musik geben mir meistens an einem gewissen Punkt das Signal, dass kein weiterer Handlungsbedarf mehr besteht‘, eine wunderbar treffende Formulierung des Malers Emil Schumacher. Das geht bei Bildern langsamer als bei der Musik. Das mag mit der Körperlosigkeit der Klänge beziehungsweise der gegenteiligen Beschaffenheit von Bildern zusammenhängen. Eine endlose Beschäftigung mit ein und demselben Objekt liegt mir partout nicht. Ich bin sehr produktionsorientiert und stets froh, wenn sich etwas als fertig erweist.“

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