Interview mit Hans Castrup

„Ich behaupte für mich auch die Verlegenheit eines Prinzips“


Poison Dwarfs: "Labil" (Timezone)

Poison Dwarfs: „Labil“ (Timezone)

amusio: „Apropos: Gestattest du uns einen kursorischen Rückblick auf die Posion Dwarfs? Oder kannst du gar einen Ausblick geben?“

Hans Castrup: „Eins nach dem anderen. Ich habe etwa 1974 mit der Musik angefangen. Um 1978 ging es mit der Malerei los. An diesem Punkt hatte ich hinsichtlich musikalischer Selbstverwirklichung komplett den Mut verloren und sah dort für mich keine Perspektive mehr. Die kam mit der Gründung der Poison Dwarfs 1981 zurück. Mein Schulfreund Helmut Westerfeld hatte die Idee dazu und ich machte mit. Geräte wurden angeschafft und los ging´s. Ohne Vorgaben. Der einzige Vorsatz war, alles was wir spielten konsequent aufzunehmen – ich besaß ein Tonbandgerät – und sofort eine Kassette zu veröffentlichen, nachdem wir die ersten zehn Minuten Material beisammen hatten. Es war die Zeit der Kassettentäter. Mir gefiel es sehr, ohne technisches Knowhow drauflos zu spielen und mich dabei selbst immer wieder zu überraschen und mir sozusagen einen Zugang zu einer neuen Dimension zu verschaffen. Ich hatte in einem Interview mit Holger Czukay gelesen, dass er bei Can aufnahmetechnisch ebenso verfahren war. Und ich verfahre noch heute so. Stets zuerst den Aufnahmeknopf drücken und dann die nächste Taste. So ist im Laufe der Zeit auch ein beachtliches Archiv, genannt das Archivgebirge, gewachsen.

amusio: „Wie ging es weiter?“

Hans Castrup: Nach der LP La Ronde entschieden meine Kollegen, den sogenannten

Rock-Aspekt komplett in den Vordergrund rücken zu wollen, wodurch ich keinen Raum mehr fand, um mich noch adäquat einzubringen. Als Konsequenz entschieden wir, eine kreative Pause einzulegen. 1989 gab es noch eine Kassette, …CUT! betitelt, und dann dauerte diese Auszeit bis etwa 2009 an. 2012 kam, in Duo-Besetzung mit Ralf-Dieter Dlubatz, die CD Labil sowie eine Editions-CD Vor der Vollendung heraus, letztere in 50er Auflage mit 50 unterschiedlichen Covern von Gabriele Seifert. Bei unseren Konzerten wirkte sie übrigens ebenfalls mit, indem sie aus dem Publikumsraum heraus Dias auf Gazestreifen vor der Bühne projizierte. Und jetzt lasse ich die Bombe platzen: 2017 soll es wieder eine neue Veröffentlichung von den Poison Dwarfs geben. Hoffentlich bereits im Frühjahr.“

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