Interview mit Cris Frickenschmidt (Alphamay)

„Unser Konzept funktioniert“

Cris Frickenschmidt & Henning Hammoor, Alphamay (Alphamay)

Cris Frickenschmidt & Henning Hammoor, Alphamay (Alphamay)

amusio: „Könnte es euch im Laufe des Produktionsprozesses passieren, dass konzeptionell-inhaltliche Aspekte angesichts der Tagesaktualität plötzlich obsolet werden?“

Cris Frickenschmidt: „Einen direkten Bezug zur Tagesaktualität herzustellen, kann nicht Ziel der Unternehmung sein. Aber es wäre schon ein sehr interessantes Unterfangen, diese Idee einmal umzusetzen. Vielleicht in Form einer EP: Sieben Tage, sieben Songs. Aber grundsätzlich kommt bei uns die Musik zuerst. Erst wenn die Komposition steht, geht es an die Texte. Dabei ereignet sich der kompositorische Prozess als weitgehend unabhängig von der mentalen Tagesform. Ich kann mies gelaunt sein und dennoch eine hübsch harmlose Melodie ersinnen. Und bei bester Laune die garstigsten Sounds produzieren. Das aktuell Akute kommt dann beim Texten zum Tragen.“

amusio: „Und wie kann man sich das vorstellen?“

Cris Frickenschmidt: „Nacheinander legen Henning und ich frei Schnauze los. Ohne definierte Gesangslinien ins Blaue hinein, mit Gedichten auf den Monitoren zur Inspiration, auf die wir derweil schauen können, wenn wir nicht einfach ins Leere starren. Anschließend werden die Ergebnisse dieser Improvisationen abgetippt. So stoßen wir auf Zeilen, die uns gemeinsam ansprechen. Es entstehen Empfindungsbögen, mit denen sich noch vorhandene Lücken ausfüllen lassen. Tatsächlich legen wir das Thema eines Songs erst im Rahmen seiner Fertigstellung fest. Auf diese Weise fließt ein, was uns aktuell oder auf lange Sicht hin beschäftigt.“

amusio: „Ein solches Verfahren setzt ein stabiles Vertrauensverhältnis voraus…“

Cris Frickenschmidt: „Die letzten 25 Jahre haben wir als enge Freunde erlebt. Wir sind zusammen jung gewesen. Im ständigen Gedankenaustausch sind unsere Weltbilder entstanden. Und auch Differenzen. Aber wir haben längst den Punkt überwunden, Angst davor zu haben, voreinander das Innere nach außen zu kehren. Wäre dieses Vertrauen nicht gegeben, würde unsere Arbeitsweise auch nicht funktionieren. Dann sollte der Songschreiber besser alles selbst erledigen. Es soll nur keiner glauben, dass wir ohne Konflikte auskommen. Manchmal schreien wir uns eine halbe Stunde lang an. Aber danach ist alles wieder gut.“

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