Interview mit Cris Frickenschmidt (Alphamay)

„Unser Konzept funktioniert“

Henning Hammoor & Cris Frickenschmidt - Alphamay (Alphamay)

Henning Hammoor & Cris Frickenschmidt – Alphamay (Alphamay)

amusio: „Bohren sind auf ihre Art auch Perfektionisten…“

Cris Frickenschmidt: „Ganz bestimmt sind sie das. Und sie machen sicherlich keinen Jazz, wie das oft und gerne falsch kolportiert wird. Sie erinnern mich eher an Filmmusik, etwa an die von Angelo Badalamenti. Gut, ich könnte mir vorstellen, mit Bohren in einem Jazzclub zu sitzen. Aber in einem völlig irrealen Jazzclub, da ich Jazz an sich überhaupt nicht ertragen kann. Der funktioniert für mich einfach nicht. Lieber lausche ich mal für zwei Minuten einem stehenden Sound. Oder ich setze mich hin, öffne meine Oberheim-Simulation und lasse einen Akkord eine Viertelstunde lang erklingen. Das entspannt mich, danach schlafe ich gut, tief und fest. Ein einzelner Sound kann mich in jegliche Stimmung versetzen. Ich kann ihn wie Nahrung zu mir nehmen, ich kann ihn atmen. Oder auch meinen Tinnitus übertönen oder körperliche Schmerzen, mit denen ich seit meinem Verkehrsunfall leider häufig zu tun habe, lindern.“

amusio: „Du verstehst es also, mit Schmerzen zu hören. Auch im Sinne jener Aufforderung, wie sie einst die Einstürzenden Neubauten formulierten?“

Cris Frickenschmidt: „Mit Schmerzen zu hören, ist für mich zur Normalität geworden. Die therapeutische Wirkung des Hörens will ich nicht missen. Und auch nicht das Hören von Schmerzen. Aber nicht im Sinne von Manowar (lacht). Sondern eher im Sinne eines Lou Reed: Das Leben ist schmerzhaft an sich, da macht der heutige Tag keine Ausnahme. Diese Haltung beeindruckt mich immer wieder.“

Weak Philosophy:
youtube.com/watch?v=Q5FCuzSO4fI

Tainted Love – Live 2015:
youtube.com/watch?v=IA0EVAHGS6I

alphamay.de
facebook.com/electronicavantgarde

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