Interview mit Jeffrey Roden

„Erst das sinnliche Erlebnis erweckt das Schöne zum Leben“

Nachdem er auf Alben wie Seeds Of Happiness dem Instrument seines Lebens huldigte, hat der überaus profilierte und in San Francisco beheimatete Bassist Jeffrey Roden mit der Doppel-CD Threads Of A Prayer Volume 1auf die alsbald Volume 2 folgen soll – in vielfacher Hinsicht Neuland betreten. Sich ohne akademische Vorbildung an Kammermusik, Streichquartette und Stücke für Solopiano herangewagt zu haben, um sich und seinen Hörern Welten aus Schönheit, Ruhe und Kontemplation zu erschließen, ist ein Verdienst, der die sogenannte große Kunst in geradezu unschuldiger Bescheidenheit neu und nachhaltig entdecken lässt. Die gewichtige und zugleich doch von Leichtigkeit beseelte Spiritualität, die hierbei stets im Spiel ist, durfte bei unserem Gespräch selbstverständlich nicht ausgeklammert bleiben.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Jeffrey Roden (Anna Fischer)

Jeffrey Roden (Anna Fischer)

amusio: „Hi Jeffrey, als notorische Neugiernase falle ich gleich mal mit der Tür ins Haus: Was wird es auf dem fürs Frühjahr angekündigte Threads Of A Prayer Volume 2 zu hören geben?“

Jeffrey Roden: „Ein recht langes Stück für Solopiano, ein recht kurzes Stück für Solopiano sowie drei Stücke für Violine, Kontrabass und hierzu jeweils Piano, Orgel und Kesselpauke. Insbesondere die letztgenannte und zugleich jüngste Komposition erschien mir aufgrund der gewählten Kombination als ziemlich gewagt und abenteuerlich. Doch sie einzuspielen und aufzunehmen hat sich als eine ungemein spannende und bereichernde Angelegenheit erwiesen.“

amusio: „Threads Of A Prayer wurde im viel gerühmten Reitstadel zu Neumarkt in der Oberpfalz produziert. Worin lagen die Gründe für diese Entscheidung?“

Jeffrey Roden: „Vor allem hat der dort vorhandene Steinway D #602285 den entscheidenden Ausschlag gegeben. Hinzu kam, dass Dirk Fischer als Produzent schon zuvor zahlreiche Erfahrungen hinsichtlich der besonderen Begebenheiten der großartigen Halle mitbrachte. Nicht zuletzt das Wissen um die absolute Stille während der nächtlichen Sessions sprach für das Reitstadel als idealen Ort des Geschehens.“

amusio: „Ging die Auswahl der beteiligten Musiker auch auf Dirk Fischer zurück?“

Jeffrey Roden: „Dirk hat sie alle ausgewählt. Und wie ihm das gelungen ist, gehört für mich ohne Übertreibung zu den größten Wundern der modernen Musikproduktion! Allein seine Überzeugung, mit Sandro Ivo Bartolli den richtigen Mann ans Klavier gesetzt zu haben, zeugt von unermesslicher Sensibilität, von Sachkenntnis und Risikobereitschaft. Schließlich hat Sandro Ivo Bartollis übliches Repertoire nur wenig mit dem zu tun, was meine Partituren einfordern. Doch schon während der Vorgespräche und erst recht bei den Aufnahmen ereilte mich die Erkenntnis, dass niemand meine Anliegen und Ideen besser hätte erfassen und interpretieren können. Er hat meine Musik auf Anhieb absolut verstanden und sie sich auf eine in höchstem Maße souveräne Weise zu eigen gemacht.“

amusio: „Dein Vertrauen in Dirk Fischers feinfühlige Expertise hat sich also mehr als gelohnt. Ohne ihn wäre das Album wohl ein anderes geworden, oder?“

Jeffrey Roden: „Dirk hatte von Anfang an ganz klare Vorstellungen, wie diese Produktion vonstattengehen sollte. Und ich denke, dass sich seine Überzeugung als treibende Energie auf alle Beteiligten übertragen hat. Dieses Album ist ihm zu verdanken. Wenn ich mit einem anderen Produzenten gearbeitet hätte, wäre das Ergebnis mit Sicherheit anders ausgefallen. Denn bei meiner Musik ist das Gefühl entscheidend. Auf das Gefühl für und bis in die kleinsten Details. Anders als bei den meisten heutigen Produktionen, bei denen der Fokus auf Perfektion liegt, erwies sich das emotionale Momentum im Reitstadel als unangefochtene Maßgabe für das zu fixierende Ergebnis. Darum lässt sich diese Session – samt ihrer geradezu ans Transzendente rührenden Intensität – wohl auch nicht wiederholen.“

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