Interview mit Angelina Yershova

„Es ist mir wichtig, die Essenz des Moments so weit wie möglich zu personalisieren“

Angelina Yershova: "Resonance Night" (Twin Paradox)

Angelina Yershova: „Resonance Night“ (Twin Paradox)

amusio: „Verfolgst du eine handwerkliche Strategie wenn du dem Klavier mit elektronischer Gerätschaft zu Leibe rückst?“

Angelina Yershova: „Ganz bestimmt. Mir vorab eine Strategie zurechtzulegen, ist für mich der Schlüssel zu jenen Ideen, die mich anschließend dazu ermuntern, mich ans Komponieren zu begeben.“

amusio: „Wie lässt sich deine Vorgehensweise – beim Komponieren, beim Orchestrieren, bei der Wahl deiner technischen Mittel – konkret beschreiben?“

Angelina Yershova: „Meine favorisierte Methode des Komponierens besteht in einer Visualisierung des Klangs. Dabei übertrage den Klang in Farben und führe diese zu emotional gehaltenen, imaginären Bildern zusammen, die es mir erlauben, meine Persönlichkeit einzubringen. Auch die Strukturen halte ich im Bilde fest, ganz so als ob es sich um das Drehbuch für einen Film handeln würde. Oftmals empfinde ich es aber noch lohnender, wenn sich eine ‚Storyline‘ spontan einstellt, ohne größeren Denkaufwand. Es ist mir wichtig, die Essenz des Moments so weit wie möglich zu personalisieren, bis sich der weitere Verlauf wie von selbst ergibt. Dann lebe ich die Geschichte und improvisiere. Hin und wieder gelingt mir dieses Verfahren, ohne überhaupt am Piano zu sitzen. Ich vermute, dass ich diese Gabe meiner klassischen Ausbildung und fortschreitenden Forschung verdanke. Ich habe jedenfalls kein Problem damit, Klänge und Kompositionen im Kopf entstehen zu lassen, die einem von mir vorangestellten Plot präzise verfolgen.“

amusio: „Inwiefern bilden deine Alben – von Kàrmàn Vortex und Inquiet über Piano’s Abyss bis Resonance Night – eine konzeptionell-evolutionäre Entwicklung unter Wahrung von Kontinuitäten ab?“

Angelina Yershova: „Ich denke, dass sich durchaus Kontinuitäten feststellen lassen. Und das sowohl im konzeptionellen wie im evolutionären Sinne. So habe ich zum Beispiel bei Karman Vortex bestimmte Techniken der Klangsynthese erforscht, die ich auf den beiden folgenden Veröffentlichungen weiter ausgearbeitet habe. Inquiet stellt indes ein separates Projekt dar, wiewohl es die für mich nach wie vor gültige Idee des ‚strukturierten Chaos‘ repräsentiert. Ein rhythmisches Chaos, dem ich mich immer wieder gerne widme und von dem es sicher bald wieder etwas Neues zu hören geben wird.“

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