Interview mit Angelina Yershova

„Es ist mir wichtig, die Essenz des Moments so weit wie möglich zu personalisieren“

Angelina Yershova (Ilya Shamuratov)

Angelina Yershova (Ilya Shamuratov)

amusio: „Wo verortest du die gravierendsten Unterschiede zwischen Piano’s Abyss und Resonance Night?“

Angelina Yershova: Man kann Resonance Night durchaus als das zweite Kapitel eines künstlerischen Abenteuers bezeichnen, das mit Piano’s Abyss seinen Anfang nahm, auch wenn beide Alben zwei völlig voneinander abweichende inhaltliche Konzepte verfolgen. Die zentrale Idee bei Piano’s Abyss war die Suspense eines endlosen Falls in den Abgrund völliger Desorientierung. Resonance Night verfolgt dagegen den Pulsschlag, den Rhythmus der Nacht. Um dem gerecht zu werden, verfügt Resonance Night im direkten Vergleich über mehr Kontraste und einen offeneren Umgang mit Spieltechniken.“

amusio: „Auch auf Resonance Night sind kurze, jazzig anmutende Einschübe zu vernehmen. Sie konkretisieren ein gewisses Setting urbanen Nachtlebens, während sich das Album ansonsten eher dem freien Drift zu widmen scheint…“

Angelina Yershova: „Ich stimme dir absolut zu. Dieser Kontrast zwischen den atmosphärischen und dem experimentellen Aspekten des Albums könnte als Inkohärenz empfunden werden. Aber ich kann dir versichern, dass ich genau diesen Effekt beabsichtigt habe. Im Sinne einer ganz persönlichen Vision. Für mich illustriert Resonance Night eine nächtliche Reise mit Momenten der Unruhe, die jedoch keine Angst auslösen. Ich möchte andeuten, dass wir lernen können, unsere Zweifel und Ängste zu akzeptieren. Um unseren dunklen Seiten irgendwann einmal hell entgegen lächeln zu können, will die Nacht zunächst einmal mystifiziert werden. Dann können wir uns auf unserer Suche nach Wissen und Klarheit selbst überwinden – und zum Licht gelangen.“

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!