Zwei Komponistengenerationen im europäischen Maßstab

Kopenhagen: Frühes Zentrum musikalischer Professionalität

Der erste dänische Opernkomponist Pul Christian Schindler wurde im Gambenspiel auf Schloss Gottorf unterrichtet, das zu dieser Zeit zum Gebiet der Dänischen Krone gehörte (Frank Maahs, 9.9.2007, GNU Free Doc. Lic.).

Der erste dänische Opernkomponist Poul Christian Schindler wurde im Gambenspiel auf Schloss Gottorf unterrichtet, das zu dieser Zeit zum Gebiet der Dänischen Krone gehörte (Frank Maahs, 9.9.2007, GNU Free Doc. Lic.).

Der in Kopenhagen geborene Musiker Poul Christian Schindler (1648 – 1740) erlernte zunächst das Spiel auf der Viola da Gamba bei G. A. Roberts auf Schloss Gottorf am Schleswiger Hof. Nachdem er sich hier einige Jahre aufgehalten hatte, wandte er sich nach Dresden, um dort im September 1670 Komposition zu studieren. 1674 wurde er als Instrumentalist Mitglied der Kopenhagener Hofkapelle. Ihm wird zugeschrieben, Urheber der ersten dänischen Oper Der vereinigte Götterstreit gewesen zu sein, zu der Peter Anton Burchardt das deutsche Textbuch verfasst hatte. Nach dem Geburtstag von König Christian V. am 15. April 1689 wurde es noch einmal vier Tage später im Opernhaus aufgeführt. Dabei brach Feuer aus, das sich so schnell verbreitete, dass fast alle Besucher, darunter auch Schindlers Frau und Tochter, ums Leben kamen. Die Musik ist nicht erhalten. Erst Christian IV. Nachfolger, Frederik IV., unternahm einen Versuch ihrer Wiedererweckung, doch wurde er vom neuen italienischen Stil, der ihm traditionsgemäß mehr zusagte, so eingenommen, dass der Plan letztlich misslang. Nachdem Schindler dreißig Jahre lang als Musiker und Komponist keine Gehaltserhöhung erhalten hatte, erübrigte man für ihn eine Stellung in der Verwaltung. Er starb hochbetagt und hinterließ eine große Sammlung von Instrumenten, Noten und eigenen Kompositionen.

Literatur

Barfod, Esther: Thomas Schattenberg. In: New Grove Dictionary of Music and Musicians. Vol. 22. p. 443.

Bergsagel, John: Die Kirchenmusik. Mittelalter und Reformation. In: Musikgeschichte Nordeuropas. Hg. von Greger Andersson. A. d. Schwedischen von Axel Bruch, Christine von Bülow und Gerlinde Lübbers. Stuttgart und Weimar 2001. S. 41 – 63.

Dahlström, Fabian: Die Stadt als Wirkungsfeld für Musiker. In: Musikgeschichte Nordeuropas. Hg. von Greger Andersson. A. d. Schwedischen von Axel Bruch, Christine von Bülow und Gerlinde Lübbers. Stuttgart und Weimar 2001. S. 104 – 127.

Eppstein, Hans: Vergleichende Madrigalanalysen: Hans Nielsen, Mogens Pedersøn: Udite amanti, udite; Hans Nielsen, Heinrich Schütz: Fuggi, fuggi, o mio core. In: Heinrich Schütz und die Musik in Dänemark zur Zeit Christians IV. Vorgelegt von Anne Ørbaek Jensen und Ole Kongsted. Kopenhagen 1989. S. 275 – 287.

Gester, Jean-Luc: Musik am Hofe von Kromeriz. [Textheft zu] Musique à la cour de Kromeriz. Les Sacqueboutiers. Toulouse 2003. (= AMB 9948) S. 12 – 14.

Glahn, Henrik: Mogens Pedersøns drei Motetten. In: Heinrich Schütz und die Musik in Dänemark zur Zeit Christians IV. Vorgelegt von Anne Ørbaek Jensen und Ole Kongsted. Kopenhagen 1989. S. 183 – 195.

Jensen, Niels Martin: Heinrich Schütz und die Ausstattungsstücke bei dem großen Beilager. In: Heinrich Schütz und die Musik in Dänemark zur Zeit Christians IV. Vorgelegt von Anne Ørbaek Jensen und Ole Kongsted. Kopenhagen 1989. S. 57 – 67.

Kjellberg, Erik: Von der Hofkapelle zur Philharmonie. Die Musik an den Höfen. In: Musikgeschichte Nordeuropas. Hg. von Greger Andersson. A. d. Schwedischen von Axel Bruch, Christine von Bülow und Gerlinde Lübbers. Stuttgart und Weimar 2001. S. 87 – 103.

Krabbe, Niels: Christian IV. und die Musik. [Covertext zu:] Music from the time of Christian IV. Chruch Music at Court & in Town. The Hilliard Ensemble, Paul Hillier. Hamburg 1988.

Krummacher, Friedhelm: Spätwerk und Moderne: Über Schütz und seine Schüler. In: Heinrich Schütz und die Musik in Dänemark zur Zeit Christians IV. Vorgelegt von Anne Ørbaek Jensen und Ole Kongsted. Kopenhagen 1989. S. 155 – 176.

Schiørring, Nils: Geistliches und weltliches Liedschaffen in höfischer Umwelt. In: Heinrich Schütz und die Musik in Dänemark zur Zeit Christians IV. Vorgelegt von Anne Ørbaek Jensen und Ole Kongsted. Kopenhagen 1989. S. 269 – 273.

– ders. (übs. Hans-Ewald Brennecke): Thomas Schattenberg. In: MGG Band 11. Kassel, Basel, London, New York 1963. Sp. 1606.

Schmalzriedt, Siegfried: Giovanni Gabrieli als Lehrer. In: Heinrich Schütz und die Musik in Dänemark zur Zeit Christians IV. Vorgelegt von Anne Ørbaek Jensen und Ole Kongsted. Kopenhagen 1989. S. 205 – 211.

Steinheuer, Joachim: [Booklet-Text in] Matthias Weckmann, L’oeuvre pour clavecin. Noelle Spieth, clavecin. SOCD 790. 1992/2001. S. [8] – [10].

Steude, Wolfram: Dresdner Quellen zu Heinrich Schütz‘ Dänemarkreisen. In: Heinrich Schütz und die Musik in Dänemark zur Zeit Christians IV. Vorgelegt von Anne Ørbaek Jensen und Ole Kongsted. Kopenhagen 1989. S. 43 – 56.

Wilson, Roland: Kaspar Förster. In: Kaspar Förster: Oratorios & Sonatas. La Capella Ducale. Musica fiata, Roland Wilson. [Booklet]. Georgsmarienhütte: cpo, 1999. S. 6 – 10 [dt. Übersetzung von Eckhardt van den Hoogen]

Referenzeinspielung

Music from the time of Christian IV. Instrumental Ensemble & Lute Music. Jacob Lindberg, Laute; Royal Danish Brass, Dowland Consort. 1988. BIS-CD-390. EAN 7318590003909.

– Church Music at Court & in Town. 1988. BIS-CD- 389. EAN 7318590003893.
– Madrigals from the South to the North. 1988. BIS-CD-392. EAN 7318590003923.
– Songs and Harpsichord Music. 1988. BIS-CD-391. EAN 7318590003916.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.