Musik der Karibik XXXVI

Aktuell und in Kürze auf Kuba

Auch wenn die Vorzeichen weiter auf einem gemäßigten Sozialismus stehen und keine(r) weiß, wann neue Freiheitsrechte das enge Jacket von Kubas Bevölkerung lockern, das Orquesta Sinfónica Nacional de Cuba fi(e)delt, fistelt, posaunt und trommelt unbekümmert munter weiter, wobei auch hier die Frauen am Pult auf dem Vormarsch sind …

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Am Malecón de la Habana - Kubas begehrtem Lido (Yenisleidy Llorente Yoeztudioz, 20.2.2016, CC Liz.)

Am Malecón de la Habana – Kubas begehrtem Lido (Yenisleidy Llorente Yoeztudioz, 20.2.2016, CC Liz.)

Irina Toledo Rocha dirigiert am Sonntag, den 29. Januar, im Teatro nacional von La Habana ein Konzert, das leider nicht den Nachwuchskünstlern im eigenen Land gewidmet ist, sondern komplett Beethoven, für den auch in geringerer Distanz zu seinem bevorzugten Wohnort der Januar eines jeden Jahres reserviert scheint. Zunächst gibt es die Leonoren-Ouvertüre und im Anschluss daran die 6. Symphonie „Pastorale“ zu hören, bevor Annia Castillo das 1. Klavierkonzert spielen wird.

Kubas Repräsentant in Sachen Komposition ist der im spanischen "Exil" lebende Jorge Estadella (geb. 1947). Momentan ist er mit seinem Werk im inländisch kubanischen Programm des Symphonieorchesters leider nicht vertreten (2015; CC-Liz.).

Kubas Repräsentant in Sachen Komposition ist der im spanischen „Exil“ lebende Jorge Estadella (geb. 1947). Momentan ist er mit seinem Werk im inländisch kubanischen Programm des Symphonieorchesters leider nicht vertreten (2015; CC-Liz.).

Die Sala Covarrubias ist der bevorzugte Arbeitsplatz des Orchesters und seines bisherigen Leiters Enrique Pérez Mesa, doch treten immer wieder auch auswärtige Gäste dort auf. So steht dem Saal am 24. und 25. Februar 2017 mit KoriCuba, einem fünfundachtzigköpfigen reiselustigen Chor aus Norwegen und seinem Chef Erland Dalen, ein Gastspiel ins Haus. Vor gut zwei Wochen konnte man hier den koreanischen Dirigenten Jin Hyoun Baek mit Borodins Danzas Polovtsianas, Mozarts Klarinettenkonzert und Tschaikowskys 4. Symphonie erleben; die solistische Klarinette spielte Antonio Dorta.

Seitenansicht des modernen Teatro nacional de Cuba (Mmoyaq, 30.3.2012, CC-Liz.).

Seitenansicht des modernen Teatro nacional de Cuba (Mmoyaq, 30.3.2012, CC-Liz.).

Gerne würde man hier wieder etwas von dem „eigentlichen“ kubanischen, in Spanien lebenden Jorge Estadella und der heimlichen „historischen“ Größe Alejandro García Caturla zu Gehör bekommen, doch dominieren derzeit europäische Programme. Zum zweiten Mal am heutigen Samstag um 17 Uhr ist jedenfalls in der Sala Avellaneda des traditionsumwitterten Theaters Ramona de Sáas berühmtes kubanisches Nationalballett zu sehen. Das famose Orquesta sinfónica nacional de Cuba kann – last but not least – auf eine ganze Reihe namhafter Gastsolisten zurückblicken: José Carreras, Victoria de los Ángeles, Mstislav Rostropovich und Idil Biret haben sich bereits ins Stammbuch des Teatro nacional eingetragen.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.