Interview mit Justin Furstenfeld (Blue October)

„Das Glück als langweilig zu erachten, empfinde ich als künstlerisches Armutszeugnis“

Justin Furstenfeld, Blue October, mit Filius (facebook.com/blueoctober)

Justin Furstenfeld, Blue October, mit Filius (facebook.com/blueoctober)

amusio: „Dann haben die Fans in UK und Deutschland aber nochmal Glück gehabt. Empfindest du hinsichtlich der Publikumsreaktionen Unterschiede zwischen den Staaten und Europa?“

Justin Furstenfeld: „Oh ja, die sind sogar erstaunlich groß. In Europa reagiert unser Publikum noch wesentlich leidenschaftlicher als in den USA. Nicht, dass es dort nicht auch immer sehr hingebungsvoll zugehen würde. Aber ich vermute mal, dass sich in unserer Heimat ein gewisser Gewöhnungseffekt eingestellt hat. Hier sind wir die ganze Zeit über halt irgendwie präsent. Aber nach Europa kommen wir nur alle paar Jahre. Dann agieren auch wir außerhalb der Routine, sind ganz besonders aufgeregt. Darum werden wir auch diesmal wieder extralange Shows spielen. Und die Gelegenheit nutzen, um mit möglichst vielen Leuten in direkten Kontakt zu treten. Am liebsten würde ich jedem, der zum Konzert kommt, zumindest mal die Hand schütteln und mich nach seinem Befinden erkundigen. Und vor der Show ein bisschen durch die Stadt laufen, die jeweilige Atmosphäre erleben…“

amusio: „Ich zeige dir gerne den Kölner Dom, vom Gloria aus lässt er sich bequem zu Fuß erreichen…“

Justin Furstenfeld: „Dann haben wir jetzt eine Verabredung.“

Blue October: "Home" (Up Down Records/Membran)

Blue October: „Home“ (Up Down Records/Membran)

amusio: „Euer aktuelles Album Home hat ja bereits knapp ein Jahr auf dem Buckel. Ich finde, es hätte auch von einer Band namens Orange October stammen können. Die Songs tragen die Sonne in sich, wie der Saft einer Orange. Schließlich wurde es nicht zuletzt von einem Wüstentrip nach Kalifornien inspiriert. Wirkt es bei dir auch derartig nach?“

Justin Furstenfeld: „Und wie! Aber von dem Impact eines sonnigen Gemüts einmal abgesehen, gibt es auch gute Vernunftgründe, weiterhin mit dem Album zu arbeiten. Wir haben bislang nur den Titeltrack ausgekoppelt. Und er hielt sich über sechs Monate lang in den Charts. Nun folgt die zweite Single, Coal Makes Diamonds. Warum nicht auch diesem oder weiteren Songs eine Chance geben, zum Hit zu werden?“

amusio: „Offenbar hat sich auch nichts an der inneren Einstellung verändert, mit der du Home angegangen bist: Das Leben freudvoll zelebrieren, anstatt wie früher zu lamentieren…“

Justin Furstenfeld: „Yeah, darum geht es nach wie vor. Und das hoffentlich bis ans Ende meines Lebens. Das Leben umarmen, jede Sekunde liebend bewusst erleben. Natürlich spielen wir noch Songs wie Hate Me oder Over The Ocean, aber die Zeiten und Gemütszustände ihrer Entstehung sind passé. Inzwischen empfinde ich vor allem eine große Dankbarkeit dafür, dass ich mein Leben dem Glück widmen kann. Und mit einem Album wie Home kann ich dieses Glück mit Freunden und Fans teilen, die mich auch schon in meinen finsteren Zeiten begleitet haben.“

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