Candelilla - Camping

Schnitte ins Trockenfleisch

Ist es ein Versuch der Rehabilitation von Physis, den Mira Mann und Genossinnen auf ihrem dritten Album Camping (Trocadero/ZickZack/Indigo) unter Aufgriff sämtlicher Widrigkeiten des thematischen Gegenstands versuchen? Oder eher doch nur ein Abstecken jener Optionen, denen es zuzuschustern ist, nicht ständig aus der Haut fahren zu müssen? „Etwas, das unkontrollierbar für mich ist/ich nenne es Wüste“, dienen Candelilla an. Ob als Urgrund einer geradezu tragischen Gebundenheit oder als Garant undurchdringlicher Dimensionalität – das lassen sie erfreulicherweise völlig (und somit vollkommen) offen.

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Candelilla: "Camping" (Trocadero/ZickZack/Indigo)

Candelilla: „Camping“ (Trocadero/ZickZack/Indigo)

Es hat schon etwas Tröstliches, wenn aus dem Begriff des Campings (als uneigentlich explorative Version von Camp im Sinne Susan Sontags) ein vager Heimatbegriff abgeleitet werden kann, der sich der vitalen Flexibilität nicht verweigert. Solange man dem Alptraum der Immobilität noch zu entrinnen imstande ist, darf sich jedes Erwachen, jede Bewusstwerdung als Aufforderung gerieren: „Berühre meine Hand/ha ha ha ha/33 Muskeln/27 Sehnen/SEHNEN!“ (Hand). Denn: „Unsere Geschichten wiederholen sich/wir bleiben trocken und staubig“ (Trocken und staubig). Die Wüste wächst. Und wohl oder wehe dem, der Wüsten sät. Und doch offenbaren sich immer wieder zweischneidige Gleitmittel, die ihren Zweck nicht verkennen wollen.

Eine leidlich voneinander abweichende Spröde scheint den von Steve Albini produzierten Vorgänger Heart Mother von dem nun vorliegenden Nachfolgewerk zu scheiden, dem sich „Hamburgs Bester“ Tobias Levin im Auftrag der Münchnerinnen angenommen hat. Das in englischer Sprache und von Lina Seybold vorgetragene Transformer mag erhellen, was einer latenten Zuversicht lohnt, in deren Vollzug sich sogar dem alsbald zwangsläufig siechen Fleisch huldigen lässt.

„Ich mag deinen Körper/er hat eine schöne Oberfläche/ich folge deiner Theorie/sie kommt mir schlüssig vor/und es ist ruhig draußen“ (Ruhig draußen). Die trügerische Ruhe zwischen einem Campingplatz zur Nebensaison und dem perhorreszierten Hospiz, sie verrauscht mit den Tagen des Tinnitus, bis dahin. Samt sporadisch und symptomatisch vorgenommenen Inzisionen.

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