Mensimonis - Clone Forever

Strafrechtlich unbedenklich

Das muss man sich mal vorstellen und genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Da trifft der niederländische Industrial Noise-Verfechter Radboud Mens endlich auf Improvisations-Fex und Landsmann Lukas Simonis – und beide stellen fest, dass ihre gemeinsam abgehaltenen Workshops an Sekundärstufenschulen auf mehrheitlich taube Ohren stoßen. So gewagt bis hirnrissig die Idee der musikpädagogischen Trägerschaft, junge Leute von heute an (improvisiertem) Noise heranführen zu wollen, so konsequent schlüssig das vorläufige Ergebnis der im Eigenartigen fußenden Kollaboration: Clone Forever (Opa Loka/STF/CMS).

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Mensimonis: "Clone Forever" (Opa Loka/STF/CMS)

Mensimonis: „Clone Forever“ (Opa Loka/STF/CMS)

Auch unsereins wurde im Rahmen des Musikunterrichts an Neue Musik und Avantgarde versuchsweise herangeführt. Unvergessen bleibt die bezeichnend kommentierende Frage eines Mitschülers, nachdem Ausschnitte aus dem Gesang der Jünglinge (Stockhausen) im „Musikraum“ soeben verklungen waren: „Und wie viele Jahre hat der Typ dafür gekriegt?“ Natürlich: Es darf gelacht werden. Wenngleich diese verständnislose und inkriminierende Ablehnung gegenüber Musik, die sich nicht nur in Wohlgefallen auflöst, nach wie vor als Nachweis von „gesundem Menschenverstand“ gilt.

Das angemaßte Vermögen, zwischen Geschmacksurteil und Analyse unterscheiden zu können, muss hingegen keineswegs einen zwangsläufigen Nachweis von geistiger Reife darstellen. So entbehrt es auch jeglichem Anflug von bildungsbürgerlicher Arroganz, dem betont restriktiv abrasiven Ansatz von Clone Forever mehr Relevanz attestieren zu wollen, als diese womöglich von den Ausführenden selbst reklamiert wird. Die blanke Intention, den akustischen Raum an sich zu füllen oder gar füllen zu müssen, dürfte sich im Sinne der Wertschöpfung als entscheidendes Argument gegenüber den Versuchungen einer blasiert aufgeklärten De-Mystrifizierung durchsetzen.

All Rumors Being Investigated verspricht (oder belegt) der Schlussakt einer sukzessiv nachvollziehbar aufgeforsteten Totalität, die vor allem eins nicht nötig hat: dem Verdacht eines elitären Kunstanspruchs zu huldigen. Denn dafür erweist sich die dem Anschein nach unaufhörliche Präsenz der realen Umwelt – kontrapunktisch – als viel zu durchlässig und impertinent zugleich, um sie noch apodiktisch von den Artefakten scheiden zu können. Menismonis würde, in mehrwöchiger Dauerschleife genossen, zur Basiserfahrung epistemologisch fundierter Phantasie mutieren. Im Schnelldurchgang übt sich der evolutionäre Imperativ in kurzweiliger Souveränität.

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