Medienschau

Wegweiser der Forschung

Ebenso wenig wie Wissenschaft ausschließlich Amalgam sein sollte, um Lücken zu füllen, so wenig Sinn macht es, gefestigte Fakten in leicht veränderter Perspektive unter den immer gleichen hermeneutischen Prämissen einfach zu reproduzieren – was bei der zehnten und elften Biographie kanongemäßer großer Komponisten offensichtlich der Fall ist. Einen Unterschied macht es allerdings, wenn die Ansätze deutlich neu und die zu erwartenden Ergebnisse vielversprechend sind, was sowohl auf Michael Heinemanns Claudio Monteverdi: Die Entdeckung der Leidenschaft (ET: vorauss. 20.3.2017, Schott, Mainz) als auch auf die Aufsätze des Sammelbandes Tropen zu den Antiphonen der Messe aus Quellen deutscher Herkunft (ET: vorauss. 1.4.2017, Schwabe, Basel) von Andreas Haug und Isabel Kraft und auf die von Claudia Kaufold gebündelten Einzeluntersuchungen verschiedener Autoren zu Agostino Steffani: Europäischer Komponist, hannoverscher Diplomat und Bischof der Leibniz-Zeit (ET: vorauss. 3.4.2017, V&R unipress, Göttingen) zutreffen dürfte.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Benjamin Lang, Herausgeber und Autor des Aufsatzbandes "Lost in Contemporary Music", ist seit 2016 Professor für Historischen und Zeitgenössischen Tonsatz sowie Musiktheorie an der Musikhochschule Hans Eisler in Berlin (ISBN 13: 978-3940768643, ConBrio 2016).

Benjamin Lang, Herausgeber und Autor des Aufsatzbandes „Lost in Contemporary Music“, ist seit 2016 Professor für Historischen und Zeitgenössischen Tonsatz sowie Musiktheorie an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin (ISBN 13: 978-3940768643, ConBrio 2016).

Um Elliott Carters Temposynkrasien, Weberns Halbton im kontrapunktischen Satz, wiederkehrende Strukturen in dessen Werk, die implizite Mechanik von Strawinskys Ballett Le Sacre du Printemps und die von Benjamin Lang aufgedeckte Lachenmann-Widmung in Gérard Griseys Vortex Temporum sowie Horazio Vaggiones elektroakustischen 24 Variations geht es in dem kürzlich erschienenen Spotlights-Kompendium überwiegend junger Wissenschaftler unter dem Motto Lost in Contemporary Music? Neue Musik analysieren (Januar 2017, ConBrio, Regensburg). Es handelt sich zwar lediglich um kleine Ausschnitte aus dem vielfältigen Gesamtspektrum zeitgenössischer Musik, dabei allerdings um originelle und erkenntnisreiche material-empirische Detailstudien. Darüber hinaus werden alle wichtigen Aspekte durch die entsprechenden Notenbeispiele verdeutlicht.

Beim Wolke-Verlag ist eine originelle Untersuchung zu Frobergers Allemanden erschienen, die den Bedeutungen der auf besondere Weise artifiziellen Kunstform auf der Basis des Tanzes nachgeht (ISBN-13: 978-3955930257, 2017).

Beim Wolke-Verlag ist eine originelle Untersuchung zu Frobergers Allemanden erschienen, die den Bedeutungen der auf besondere Weise artifiziellen Kunstform auf der Basis des Tanzes nachgeht (ISBN-13: 978-3955930257, 2017).

Als erhellende bild- und aufführungskritische Ergänzung zu der theoretisch grundlegenden Arbeit von Ivana Rentsch Die Höflichkeit musikalischer Form kann Annette Kappelers Studie L’Œil du Prince in der Reihe eikones (EJ: 2016, Wilhelm Fink, Paderborn) der Universität Basel gelesen werden. Die hier in den Blick genommenen Auftrittsformen in der Oper des Ancien Régime machen im Vergleich – auch zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert – die von den Prämissen barocker Zeige- und Ausdrucksästhetik divergierenden praktischen Ausformungen musikalischer Repräsentationen am Hof Ludwig XIV. deutlich, die auch von den theaterarchitektonischen und (innen-)politischen Bedingungen modifiziert werden.

Dem individualisierten Ausdruck der Affekte in Monteverdis Werk widmet sich einer der großen Kenner für die musikalische Ästhetik der frühen Neuzeit, Michael Heinemann (ISBN-13: 978-3795712136, ET: ca. 20.3.2017 Schott, Mainz).

Dem individualisierten Ausdruck der Affekte in Monteverdis Werk widmet sich einer der großen Kenner für die musikalische Ästhetik der frühen Neuzeit, Michael Heinemann (ISBN-13: 978-3795712136, ET: ca. 20.3.2017 Schott, Mainz).

Interessante Zusammenhänge dürfte das aktuelle Handbuch in der Reihe Gattungen der Musik, nämlich Geschichte des Kunstliedes (ET: 2017, Laaber) von der ausgewiesenen Opern- und Liedexpertin Elisabeth Schmierer aufdecken. Die Musikwissenschaftlerin berücksichtigt dabei auch auf die Vorformen des Kunstlieds im Mittelalter und geht auf dessen gegenwärtige Spielarten ein. Auch bislang wenig bekannte Beispiele werden eingehend vorgestellt. Die auf Johann Jakob Frobergers Allemanden für Tasteninstrumente konzentrierte Untersuchung Kadenz und Gegenwart von Ralph Bernardy (Januar 2017, Wolke, Hofheim) zeigt, wie gerade barocke Tanzmusik in dessen Werk eine geistige Hypostasierung erfährt  und ein ganz und gar subjektives Erleben von „Zeit und Zeitlichkeit“ innerhalb ihrer quasi „zeitlosen“ individuellen Gestaltung vermittelt.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.