Interview mit Rami Vierula (Delay Trees)

„Wir erleben inzwischen eine andere Form der Melancholie“

Delay Trees (Soliti Records)

Delay Trees (Soliti Records)

amusio: „Let Go klingt über weite Strecken nach euren Anfängen. Kann man das Album auch als eine Art Résumé nach zehn Jahren Bandgeschichte verstehen?“

Rami Vierula: „Durchaus. Von daher erscheint es mir sinnvoll, diese Geschichte einmal kurz zu rekapitulieren. Als wir vor zehn Jahren mit Delay Trees angefangen haben, erwarteten wir rein gar nichts. Wir wollten einfach nur gemütlich abhängen, ein paar nette Songs schreiben und sie aufnehmen. Doch nach der ersten EP [Soft Construction] wuchs – zu unserer eigenen Überraschung – schlagartig das Interesse an unserer Band. Also unterzeichneten wir bei einem damals sehr angesagten finnischen Label [Johanna Kustannus] und nahmen unser erstes Album auf. Während der Aufnahmen fühlten wir noch frei von jeglichem Druck, doch kaum war die Platte erschienen setzte ein Hype um uns ein…“

amusio: „Und der war nicht in eurem Sinne?“

Rami Vierula: „Doch, wir waren durchaus dazu bereit, die Gunst der Stunde zu nutzen. Es gab Anfragen aus ganz Europa, aus den USA und Japan. Einladungen zu Festivals und ein großes Medienecho. Aber dann kaufte Universal das Label und wir flogen raus. Dadurch konnten wir die in uns gesetzten Erwartungen nicht mehr erfüllen.“

amusio: „Warum wurdet ihr von Universal nicht mit übernommen?“

Rami Vierula: „Man wollte keine finnische Indie-Band, die englisch singt. Nun ja. So oder so ähnlich lautete die inoffizielle Begründung. Da standen wir also. Mit einem guten Debütalbum, aber ohne Management, ohne Repräsentation im Ausland und ohne Geld. Wir fühlten uns eine Weile so, als ob wir bereits an unserem Ende angelangt wären.“

amusio: „Aber dann wart ihr doch noch unterwegs. Ich kann mich noch an eure Tour als Support von I Like Trains erinnern…“

Rami Vierula: „Wir uns auch. Insbesondere an den Abend in Köln, da herrschte wirklich eine ganz tolle Atmosphäre. Aber wir konnten halt nicht in dem Umfang touren, der angesichts des internationalen Interesses vernünftig und sinnvoll gewesen wäre. Aber gut, wir fanden ein neues Label. Und auch dass ein Song von uns in der TV-Serie Grey’s Anatomy eingesetzt wurde, spülte etwas Geld in die Portokasse. So ging es dann an die Aufnahmen zu Doze.“

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