Interview mit Rami Vierula (Delay Trees)

„Wir erleben inzwischen eine andere Form der Melancholie“

Delay Trees (Soliti Records)

Delay Trees (Soliti Records)

amusio: „Wie habt ihr diese Haltung auf Let Go übertragen?“

Rami Vierula: „Indem wir uns auf unsere Stärken konzentriert haben. Der Fokus liegt auf den Melodien, auf kompakte, kurze Songs und ehrliche Texte. Früher habe ich mich hinter Metaphern versteckt. Wenn ich heute von Hoffnung singe, dann meine ich das auch.“

amusio: „Hoffnung scheint mir ein Schlüsselbegriff des Albums zu sein. Vor allem im Hinblick auf die Ambivalenz des Begriffs…“

Rami Vierula: „Auch wenn sie trügerisch ist, die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch auf nahezu natürliche Weise mündet bei uns alles in die Melancholie. Um sie hat sich bei uns schon immer alles gedreht. Allerdings erleben wir inzwischen eine andere Form der Melancholie als noch vor Jahren. Wir sind inzwischen alle über dreißig. Unser Bassist Sami geht sogar schon auf die Vierzig zu, vermute ich zumindest (lacht). Doch zurück zur Melancholie: Erlebten wir sie früher als ein eher diffuses Grundgefühl, verbinden wir sie heute mit konkreter Nostalgie. Aber es ist wichtig, nicht in ihr zu versinken. Sondern loszulassen.

amusio: „Ist Let Go also auch als eine Aufforderung zu verstehen?“

Delay Trees ca. 2007 (facebook.com/delaytrees)

Delay Trees ca. 2007 (facebook.com/delaytrees)

Rami Vierula: „Sicher, auch wenn es sich vom imperativen Let’s Go im Sinne eines Little Richard doch noch deutlich unterscheidet (lacht). Dennoch steckt in dem Albumtitel die Aufforderung, den Frieden mit sich selbst zu finden. Die Vergangenheit auf sich beruhen zu lassen und das Leben so zu akzeptieren, wie es nun einmal ist. Oder auch sich mit seinen Mitmenschen zu versöhnen, selbst mit denen, die nicht mehr da sind.“

amusio: „Und hierzu seid ihr zu eurem ureigenen Sound zurückgekehrt. Wäre es für euch erstrebenswert, einen Signatur-Sound zu etablieren, mit dem euch ein Hörer schon nach zehn Sekunden klar identifizieren kann?“

Rami Vierula: „Die Frage ist, ob uns das gelingen könnte. Aber nach zehn Jahren haben wir unseren Sound gefunden, die Parameter sind ziemlich fix. Die kennt auch unser langjähriger Aufnahmeleiter, Mixer und früherer Produzent Julius Mauranen. Da genügen kurze Hinweise und er weiß sofort, was wir wollen. Aber wer weiß, was uns zur nächsten Platte hin so umtreibt. Vielleicht steht uns dann der Sinn nach etwas ganz anderem? Vielleicht nach einem unplugged-Album?!“

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