Wave Gotik Treffen XXVI - Ausblicke (2)

Es wird ernst: Klez.e kommen

Wer heute in Berlin noch nichts vor hat, der hat Pech gehabt. Denn das Konzert von Klez.e (und Box And The Twins) in der Kantine zum Berghain ist verdientermaßen längst ausverkauft. Aber Glück im Unglück: Am 20. März wird es an gleicher Stelle (dann mit Bayuk als Support) einen Nachschlag geben. Und: Jedem WGT-Besucher, der sich im Hinblick auf den Pfingstmontag noch unentschlossen wähnt, sei angeraten, in Erwägung zu ziehen, auch dasjenige erleben zu müssen, was gestern im gut gefüllten Kölner Subway für eine weitgehend beschwingt-fröhliche Betroffenheit hat sorgen können, deren Nachwirkungen – als rechtschaffen verbindlich gestellte Prognose – keinen Buchmacher ins Schwitzen bringen sollte.

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(wave-gotik-treffen.de)

(wave-gotik-treffen.de)

Gut, es waren sicher auch Besucher vor Ort, die als Freunde des lokalen Supports ihre Aufwartung machten. Sehr verständlich. Und auch diejenigen, die sich von dem Bekenntnis des Tobias Siebert zu The Cure auf dem aktuellen Album Desintegration (Staatsakt/Caroline/Universal) haben verführen und hinreißen lassen. Um dann – etwas halbherzig – festzustellen, dass entgegen der immer gern genommenen Zwangsläufigkeit weder Bezug noch Annäherung eine Garantie für sättigendes Kopiistentum gewährt. Vielmehr gegen Klez.e in ihrer zweiten Inkarnation einen Weg, der – zu Köln – nach anfänglicher Eingewöhnung nur ein Ziel kennt. Und das schlägt links und blutet aus. Ganz im Sinne von Filip Pampuch, dessen rhythmische (und gleichsam narrativ wirksame und nachvollziehbare) Vorgaben ins wohlige Entsetzen führen. Wer auf dieser Basis noch nicht wusste, was unter „double bass“ zu verstehen ist, sei anhand des Vortrags von Daniel Moheit und Tobias Siebert eines Besten belehrt.

Tobias Siebert, Klez.e live im Subway, Köln (Stephan Wolf)

Tobias Siebert, Klez.e live im Subway, Köln (Stephan Wolf)

Die gewollte Stilisierung, die Nähe zu Robert Smith und Co., führt also nicht zur Affirmation des längst Gewesenen (und als bekannt Vorausgesetzten). Sondern zu einer originären Intensität, die nicht nur scheinbar oder vorgeblich sämtliche Bezüge zur Tagespolitik kommensurabel macht. Wenn Klez.e zum Ausklang ihres Hauptsets (dem sich zwei hochwertige Zugaben-Blöcke anschließen) mit Drohnen sämtliche Finger in schwärende Wunden legen, verbietet sich fast schon die exzellente Stimmung des Abends. Auf das WGT angesprochen, versäumt es Tobias Siebert nicht, darauf hinzuweisen, dass es sich bei Klez.e keinesfalls um eine Bündelung kalkulierter Lippenbekenntnisse handelt (als ob dies Not täte…). „Wir werden uns auch weiterhin zur düsteren Musik bekennen, es gibt heutzutage keine Alternative. Und wir hoffen, dass auch ein internationales Publikum, von dem wir in Leipzig ausgehen können, intuitiv versteht: Wir meinen es durchaus ernst.“

Headlline - Tobias Siebert, Klez.e live im Subway, Köln (Stephan Wolf)

Headlline – Tobias Siebert, Klez.e live im Subway, Köln (Stephan Wolf)

Ernst?! Ja, scheiß verdammt nochmal ein heiterer Ernst, der sich gegen den viehischen richtet. In einer Sprache, die vielleicht nicht jeder auf Anhieb versteht. Die es aber verdient, gehört zu werden. Mit Fug und Recht (auch) auf dem WGT. Eine absolut stimmige Einladung, die Klez.e da angenommen haben. Drohnen: youtube.com/watch?v=kmg2-RNKoi4 Weitere Termine: 17.03. Bremen (Tivoli) 18.03. Hamburg (Molotow) 19.03. Celle (MS Loretta) 20.03. Berlin (Berghain Kantine) 09.06. A-Wien (Fluc) klez-e.de facebook.com/Klez.e

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