Alison Goldfrapp (Goldfrapp/Mute)
Alison Goldfrapp (Goldfrapp/Mute)

amusio: „Diese Priorität lässt sich am Beispiel des Tracks Tigerman gut nachvollziehen. Der Reiz der wilden, gespaltenen Kreatur, die auch ein Werwolf sein könnte, bricht sich Bahn. Ich vermute, der Song ist nicht Tom Jones gewidmet?!“

Alison Goldfrapp: „Tom Jones? Wer soll das sein?!“

amusio: „Egal.“

Alison Goldfrapp: „Gestaltwandlung oder auch Anthropomorphismus haben schon immer einen starken Reiz auf mich ausgeübt. Der Tigerman des Songs wünscht sich nichts sehnlicher, als zu selbst zu einem Tiger zu werden. Und so er verzweifelt feststellen muss, dass er als Mensch bestenfalls im nächsten Leben zu einem Tiger werden kann, wirkt er, nach außen, immens erotisierend. Die Frage bleibt offen, ob seine Verzweiflung, das angemaßt Wilde oder der Mann an sich so erotisch ist…“

amusio: „Wie hast du dich entschieden?“

Alison Goldfrapp: „Lass es uns bei dem Verweis auf Grizzly Man, dem Dokumentarfilm von Werner Herzog über die Passion des Timothy Treadwell belassen. Tragisch, faszinierend. Und für mich eine nachvollziehbare Vision. Ich auch möchte so gerne Teil der Natur sein. So wild. Aber ich bin mir darüber bewusst, dass es sich um Projektionen handelt. Dass Evolution determiniert und ich mich glücklich schätzen kann, als Mensch Natur und Kultur, Geworfenheit und freien Willen irgendwie ansatzweise in Einklang bringen zu können.“

amusio: „Der Tigerman oder auch der Grizzly Man werden ja de facto auch nie zum Tiger oder Bären. Lohnt nicht. Und würde auch hinsichtlich der Paarung oder des Paarungsverhaltens nur weiter ins Dilemma führen… “

Alison Goldfrapp: „Ja, aber ist das nicht auch furchtbar traurig?! Und, wie gesagt, tragisch in dem Sinne, dass die Betroffenen wissen, dass sie zum Scheitern verurteilt sind? Fragt sich nur, von wem? So kommt, auch in Bezug aufs Album, die Melancholie ins Spiel. Ist es der Mond, das Silver Eye, das uns so zerrüttet? Und simultan dazu inspiriert, die eigens gedachten Grenzen zu überwinden? Wenn vielleicht auch nur mit den Mitteln der Musik?“

amusio: „Harmonisierung des Primordialen?“

Alison Goldfrapp: „Du sagst es (lacht).“

amusio: „Kommen wir doch mal auf Goldfrapp an sich zu sprechen. Wie gelingt es euch, ikonisch zu bleiben?“

Alison Goldfrapp: „Gosh (lacht)! War das eine Frage?“

amusio: „Im Sinne von Konsistenz im ständigen Wandel. Viele behaupten, sich nicht zu wiederholen. Will und du, ihr braucht den Willen zur Variabilität und Weiterentwicklung nicht zu betonen. Habt ihr da eventuell die ein oder andere Technik entwickelt? Oder bedient ihr euch der Magie?“

Alison Goldfrapp: „Nein, sicher nicht der Magie. Das ist Quatsch. Es kommt darauf an, die Dinge geschehen zu lassen. Und auf Silver Eye haben wir der Spontaneität den größtmöglichen Freiraum gewährt. Statt sich auf die Inspiration zu verlassen, die vorgeblich davon kommt, wenn man ständig etwas hinzufügt, um es auf der anderen Seite wieder zu reduzieren. Was habe ich mir schon den Kopf darüber zerbrochen, ob das, was wir machen, wirklich das ist, was wir machen sollen! Ich meine, wer zwingt uns denn? Also sollten wir fair bleiben. Und der Inspiration alle Zeit der Welt geben, um sich einzustellen. Dass sie sich dann – zumeist ohne Vorwarnung – einstellt, nun das lehrt die Erfahrung.“

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