Interview mit Poor Nameless Boy (Joel Henderson)

„Authentizität ist eine Frage des Ausdrucks“

Bereits auf dem Reeperbahn-Festival konnte sich der aus Regina, Saskatchewan stammende Joel Henderson alias Poor Nameless Boy eine gehörige Portion Aufmerksamkeit in deutschsprachigen Gefilden verschaffen. Auch sein vor kurzem erschienenes drittes Album Bravery (DanCan & Chronograph Records/Rough Trade) dürfte hierzulande bei einem Publikum Anklang gefunden haben, das einem der Tradition verpflichteten und dennoch modern ausgerichteten Singer/Songwriter-Sound bevorzugt. Zum Auftakt zweier Clubtouren – Canadian Spring Blast (mit Declan O’Donovan und USS) sowie der sich anschließenden Triple-Sause About Songs Youngbloods (mit Burning Velvet sowie Long Tall Jefferson) unterhielten wir uns mit dem freundlichen Kanadier kurz vor seinem Auftritt im Stereo Wonderland zu Köln.

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Poor Nameless Boy, Stereo Wonderland, Köln (Stephan Wolf)

Poor Nameless Boy, Stereo Wonderland, Köln (Stephan Wolf)

amusio: „Hi Joel, du bist offensichtlich nur mit kleinem Gepäck angereist…“

Poor Nameless Boy: „Der Koffer mit meinen Klamotten hat den Weg von London hierher tatsächlich noch nicht gefunden. Dass ich nur meine Gitarre dabeihabe, verdankt sich jedoch der Entscheidung, sowohl das Canadian Spring Blast als auch die sich anschließende About Songs Youngbloods-Tour klassisch minimal anzugehen.

amusio: „Dagegen hinterlässt zumindest dein aktuelles Album Bravery den Eindruck, als hättest du die Lust an einer vollmundigen Produktion im kompletten Band-Format für dich entdeckt. Heißt das nicht auch, dass du nun gezwungen bist, auf die weitläufigen Arrangements deiner neuen Songs freimütig zu verzichten?“

Poor Nameless Boy: „Da unterschätzt du die Möglichkeiten, über die ein Mann mit Gitarre auf der Bühne verfügt. Oder auch eine Frau. Die Songs auf Bravery sind zum größten Teil einzig und allein auf meiner Akustikklampfe entstanden. Und von daher fällt es mir auch überhaupt nicht schwer, live jenes Gefühl, jene Kraft und Inbrunst in meine Lieder zu legen, mit denen sie das Licht der Welt erstmals erblickten. Was jedoch nicht heißen soll, dass ich Gigs mit Band verschmähe. Aber im Rahmen der Umstände und Vorgaben – wie etwa die Limitierung der Set-Dauer auf gerade Mal eine halbe Stunde – komme ich dieser Tage mit der ursprünglichsten aller Repräsentationsformen bestens zurecht.“

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