Als Michael Nyman von Peter Greenaway dazu aufgefordert wurde, sich musikalisch etwas zu dessen zynischem Meisterwerk Drowning By Numbers einfallen zu lassen, griff er auf einige Takte Mozart (Sinfonia Concertante Es-Dur, KV 364) zurück, um dem filmischen Duktus seinen unverkennbar eigenen Stempel aufzudrücken. Dass sich hingegen die thüringischen Art-Schwarzmetaller Farsot auf ihrem vierten Album Fail.Lure (Lupus Lounge/Prophecy Productions/Soulfood) dem Thema tödlich berechnender Leidenschaft ohne Fremdaufgriff nähern, dürfte nicht überraschen.

Farsot: "Fail.Lure" (Lupus Lounge/Prophecy Productions/Soulfood)
Farsot: „Fail.Lure“ (Lupus Lounge/Prophecy Productions/Soulfood)

Womit auch der einzige Moment ausgesprochen wäre, in dessen Hinsicht Fail-Lure nicht zu überraschen versteht. Das Album gewährt seinen Hörern nicht einen Augenblick der Sicherheit; die Inkohärenz wird zum inszenatorischen Prinzip – als wollten Farsot der kalten Zahlenlogik aus Drowning By Numbers die schicksalhafte Unwägbarkeit allen Werdens und Vergehens zumindest entgegenhalten. Ohne dabei für sich in Anspruch zu nehmen, apodiktische Schlüsse vorschlagen zu müssen.

Das latent stets anwesende Ringen um die Vormachtstellung, das die Ausläufer depressiven Schwarzmetalls mit den theatralisch operierenden, zahlreichen Versatzstücken aus Postrock, Apokalyptic Folk etc. mit- und gegeneinander aufnehmen, führt in atmosphärischer Hinsicht zu einer anmutig bereichernden Fülle an Halberkenntnissen, die selbst ein profundes Unbehagen zum Gegenstand eines arrogant-blasierten Interesses machen.

Fail-Lure scheint förmlich über der Kontingenz seines Themas zu schweben. Indem sich Farsot der Griffigkeit entziehen, unterlaufen sie das Diktat der todbringend idiotischen Eindeutigkeit. Dass hierbei nicht durchgängig auf den jeweils naheliegendsten Effekt spekuliert wird, sollte sich von selbst verstehen. Ganz im Gegensatz zu einem Album, dem die Verquickung von Intellekt und Resignation – auch und gerade auf subtiler Ebene – in außergewöhnlicher Manier gelingt.

26.05. Leipzig (UT Connewitz; Double Release Show w/Antlers, Zuriaake)

The Anatagonist:
youtube.com/watch?v=tAy7xpdqbug

farsot.de
facebook.com/farsot.official

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