Von Kalifornien über Island nach Warschau: Als Low Roar hat Ex-Audrey Sessions Frontmann Ryan Karazija nicht allein mehrfach seine – gravierend voneinander abweichenden – Standorte gewechselt. Sondern auch jene emotionalen Stand- und Stützpunkte, die auf Once In A Long, Long While… (Nevado Music/Rough Trade) zwischen süßem Schmerz und nüchterner Melancholie oszillieren. Ganz wie es sich für ein Album gehört, das sowohl von einer vollzogenen Trennung als auch von der wahren Liebe handelt.

Low Roar: "Once In A Long, Long While…" (Nevado Music/Rough Trade)
Low Roar: „Once In A Long, Long While…“ (Nevado Music/Rough Trade)

Die Ambivalenz sämtlicher Lebenserfahrung mag zur inneren Zerrissenheit führen. Ryan Karazija hat sich diesem endogenen Risikofaktor gestellt und ihn in ästhetischer Hinsicht – scheinbar – überwunden. Denn bei allem Pathos aus Verlusterfahrung, Selbstzweifel und sehnsüchtiger Aufbruchsstimmung schwingt ein lindernder Effekt mit, der Once In A Long, Long While… auf hintergründige Weise beseelt.

Nostalgische Rückblicke, frei von nachtragender Häme, arrangieren sich mit einer säuberlich gefilterten Zuversicht, die sich davor hütet, in Euphorie umzuschlagen. Was, wenn auch die neue Liebe wieder endet? Was, wenn auch Warschau nur als Durchgangsstation auf dem endlichen Irrweg taugt? Dann könnte Ryan Karazija auch wieder nach Reykjavík zurückkehren, um vielleicht ein gesamtes Album mit Jofridur Akadottir einzusingen. Denn was die beiden anhand des Tracks Bones im Sinne des Harmoniegesangs veranstalten, überstrahlt eine an sich eher der matt-opaken Radianz zugeneigte Scheibe.

25.05. Köln (artheater)
26.05. Frankfurt/Main (Zoom)
06.06. Berlin (Bi Nuu)

lowroarmusic.com
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