Von einer nicht alltäglichen Doppelprofession

Klassische Gitarre trifft Jazzgitarre

Ohnehin nicht alltäglich ist ein Musikstudium, in dem die Perfektionierung im klassischen Gitarrenspiel mit dem Kompositionsunterricht parallel läuft. Noch unkonventioneller erscheint es vor allem aus europäischer Sicht, wenn sich ein Studium in Jazzgitarre anschließt, denn bekanntlich können die US-Hochschulen mit einem professionellen Angebot auch in der Popularmusik und ihrem Instrumentarium punkten. Nicht von ungefähr hört man vielen amerikanischen Produktionen an, dass ein mehr als solides handwerkliches musikalisches Können mit anspruchsvolle kreativer Leistung und Inspiration einhergeht.

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Eher nach Popliedkunst mit akustischer Gitarre klingt Naren Album 'A clear day' aus dem Jahr 2011 (B0086JTK80, eigene Produktion).

Eher nach Popliedkunst mit akustischer Gitarre klingt Naren Album ‚A clear day‘ aus dem Jahr 2011 (B0086JTK80, eigene Produktion).

Auf beiden Feldern, der klassischen Gitarre und der Jazzgitarre (in letzterer an der Manhattan School of Music), professionalisierte sich nämlich Naren Rauch, der schon als Kind in Los Angeles dies und jenes komponiert hatte – und zwar so weit, dass er auf einigen der weltweit größten Konzertpodien auftreten konnte: Er spielte auf der einen Seite im New Yorker Lincoln Center und an der Deutschen Oper Berlin, zum anderen beim Monterey Jazz Festival, beim Strawberry Music Festival oder in der Konzertreihe des WFPK Waterfront Wednesday  in Louisville und trat zudem mit seiner selbstgegründeten Band LILA sowie den Formationen Laptop und The Navigators auf.

Dem engagierten Musiker genügte all das indes nicht, er setzte daneben auf das Spiel von Mandoline, Bass und Dobro. In seinem Brotberuf arbeitete Rauch als Toningenieur mit weitreichenden Kenntnissen in elektroakustischer Musik (die für diese Generation nicht untypisch ist) für diverse Studios. Einer der Höhepunkte dieser Tätigkeit war sein Mitwirken an der Aufnahme von Christian Leers Requiem für großes Orchester mit Chor.

Wie Llyod Thayer (hier im Bild) ist auch Naren Rauch immer wieder mit der Lap Steel Guitar bzw. dem Dobro aufgetreten (WMPG Radio, 2.6.2006, player, CC-Liz.).

Wie Llyod Thayer (hier im Bild) ist auch Naren Rauch immer wieder mit der Lap Steel Guitar bzw. dem Dobro aufgetreten (WMPG Radio, 2.6.2006, player, CC-Liz.).

Aus der eigenen Komponistenwerkstatt heraus trug er zum US-amerikanischen Musikleben sowohl mit Orchesterstücken als auch Rock- und Jazznummern bei, agierte aber ebenso im (noch) kommerzielle(re)n  Bereich eines Sound Designers für Werbe-, Dokumentar- und Fernsehfilme, etwa auf dem Terrain der Auto- und Getränkeproduzenten. Einer seiner großen Würfe in den vergangenen sieben Jahren war jedoch die Musik für das Theaterprojekt Fallings in Brooklyn. Trotz der Verarbeitung zahlreicher Einflüsse ist ihm aber nicht nachzusagen, dass er auf Crossover gesetzt hätte. Vielmehr scheint er über Dekaden die Gattungen separat voneinander weiterentwickelt zu haben.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.