Die Neapolitanische Schule

Mode mit langem Atem

Selbst so bedeutende Kompositionslehrer wie Leonardo Leo und Francesco Durante hätten zu Beginn ihrer Karriere in Neapel wohl nicht im Traum damit gerechnet, welch nachhaltige Entwicklung ihr für damalige Verhältnisse exklusiver Stil in der Schülerschaft zeitigen würde. Die Rede ist hier unter anderen von Niccolò Jommelli, Giovanni Battista Pergolesi, Tomaso Traetta und Gian Francesco de Majo. Als erster hier soll Francesco Provenzale (1624 – 1704) einen Sonderweg eingeschlagen haben, etwa mit seinem Cicero, der ersten überhaupt aus der blühenden Metropole Kampaniens nach Venedig exportierten Oper, in der Folge mit La Stellidaura vendicante (1674) und Lo schiavo di sua moglie (1675). Neben Alessandro Scarlatti erhielt er allerdings erst im Jahr 1690 eine Stelle als Vizekapellmeister der königlichen Kapelle in Neapel.

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Der so genannte Neapolitanische Sextakkord - die kleine Obersext der Subdominante in Moll bzw. die erste Umkehrung des Durdreiklangs der tiefalterierten zweiten Stufe in Moll - wurde in der Funktion eines Vorhalts vor der Quinte eines Mollakkords schon weit vor dem 18. Jahrhundert eingesetzt. Später wurde er zum Inbegriff eines praktikablen Modulationsmittels (Johannes 1024, 2007, GNU Free Doc. Lic.).

Der so genannte Neapolitanische Sextakkord – die kleine Obersext der Subdominante in Moll bzw. die erste Umkehrung des Durdreiklangs der tiefalterierten zweiten Stufe in Moll – wurde in der Funktion eines Vorhalts vor der Quinte eines Mollakkords schon weit vor dem 18. Jahrhundert eingesetzt. Später wurde er zum Inbegriff eines praktikablen Modulationsmittels (Johannes 1024, 2007, GNU Free Doc. Lic.).

Worin aber lagen die innovatorischen Züge dieser „Schule“ begründet? Auffällig ist, dass etliche Komponisten, die aus ihr hervorgingen, in physischer und geistiger Nähe zum Opernhaus wirkten und dass in der Aufschwungzeit um 1740 ein regelrechter Boom an komischen Musiktheaterproduktionen einsetzte, bedingt durch Pergolesis Einführung oder wenn man so will: Erfindung der Opera buffa, die auf der dialektsprachigen musikalischen Komödie Neapels fußte und schließlich das Entstehen eines „Intermezzo“ wie La serva padrona begünstigte, in dem die musikalische Gestaltung schon eine eminente Rolle spielte.

Fungierte seit 1745 als 1. Kapellmeister der königlichen Kapelle in Neapel, hatte zuvor bereits als Heranwachsender die Stelle des zweiten Cembalisten dort versehen: Gian Francesco de Majo (1732 - 1770). Mozart soll eine seiner kirchenmusikalischen Kompositionen als 'bellissima' bezeichnet haben (Ealmagro, p.d.).

Fungierte seit 1745 als Erster Kapellmeister der königlichen Kapelle in Neapel, hatte zuvor bereits als Heranwachsender die Stelle des zweiten Cembalisten dort versehen: Gian Francesco de Majo (1732 – 1770). Mozart soll eine seiner kirchenmusikalischen Kompositionen als „bellissima“ bezeichnet haben (Ealmagro, CC-Liz.).

 

 

Ein Faible für das Komische eignete der Stadt Neapel nicht erst seit dieser Zeit, die in der Barockzeit ja auch eine Figur wie den (maskierten) Pulcinella hoffähig machte. Eine andere Kreation neapolitanischer Komponisten war die weltliche Kantate nach dem Vorbild von Alessandro Scarlatti, während in der Kirche mittlerweile durchaus konzertante Formen des Oratoriums ankamen, unter anderem wiederum dank Pergolesi.

Francesco Durante (1684 - 1755) war neben Leonardo Leo einer der bedeutenden Vermittler für die so genannte Neapolitanische Schule (B 11873 / B 39218, Internationales Museum und Bibliothek für Musik Bologna, unbek. Maler, p.d.).

Francesco Durante (1684 – 1755) war neben Leonardo Leo einer der bedeutenden Vermittler für die so genannte Neapolitanische Schule (B 11873 / B 39218, Internationales Museum und Bibliothek für Musik Bologna, unbek. Maler, p.d.).

Was die Opera seria betrifft, so wurde hier die Reform Pietro Metastasios zu einem Muster für die Praxis in ganz Europa, in dessen Bann sich im deutschsprachigen Raum neben Hasse bekanntlich auch Gluck ziehen ließ: Die von Alessandro Scarlatti bereits angewandten Affekttypen der Arie nebst ihren Satzcharakteren – bravourös, parlierend und gemäßigt – etablierten sich ebenso wie die Beschränkung der agierenden Personen auf sechs und die Abfolgen von Rezitativen und Arien in einem Rahmen von drei Akten. In Venedig kannte man schon die Da-capo-Arie, die nun in Neapel in einer Form geläufig wurde, in der eine Sängerpersönlichkeit ihre Kunst durch Auskolorieren des Da-capo-Teils unter Beweis stellen konnte. Um 1760 reformierten Jommelli und Traetta die Opera seria nochmals, wobei sie die Rolle von Chor und Orchester stärkten.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.