Wave Gotik Treffen XXVI - Ausblicke (10)

Sideshow Highlights: Under The Tongue / The Snatcher

Zum Abschluss der diesjährigen Vorfreude wollen wir besten Wissens und Gewissens auf zwei Attraktionen aufmerksam machen, die – wie auch Oberer Totpunkt – in insgesamt dreiundzwanzig Erscheinungsformen die allseits beliebte Absintherie Sixtina zu Leipzig zur Anlaufstelle für freudige Entdecker machen. Et voilà: The Snatcher aus dem Rheinland, Under The Tongue aus Australien, respektive Berlin.

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www.wave-gotik-treffen.de

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Fangen wir mit Julia und Mark Eden an. Als Under The Tongue haben die beiden einander Liebenden bereits zwei Alben (Make A Wish, Potions) zu Markte getragen, die den begnadeten Songwriter aus Down Under an der Seite seiner vornehmlich den Bass bedienenden Partnerin als Maestro der Gänsehäute ausweist. Was die beiden Leidenschaftler selbst – in Ermangelung einer griffigen Schublade – als „Tribal Rock“ etikettieren, erweist sich beim genaueren Zuhören als verdichtete Liedkunst, die sich um Genres und Genregrenzen einen feuchten Kehricht schert. Vielmehr gotisch angehauchten Phantasien Freilauf gewährt. Mit Songs, die so gewieft um die Ecke gedacht wie lüstern eingängig sind.

Während die Fertigstellung des kommenden CD-Drittlings (The Art Of Perception) auf den Siebten im Siebten terminiert ist, gönnen sich Under The Tongue mit ihrem Erscheinen am Sonntag – in der Absintherie Sixtina – ein Stelldichein der besonderen Art. Mit einem Set, nach dem man entweder mehr von der Welt versteht – oder den Verstand komplett verliert. Denn Under The Tongue präzisieren ihn: Diesen lieblich-grausamen Zweifel zwischen wundersamer Realität und gedanklich fundierter Imagination. Man nennt es Verführung. Traut euch!

(under-the-tongue.com)

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Das Thema der Verführung ist dann – nicht nur am Montag in der Sixtina – auch genau SEIN Thema: The Snatcher genießt als allein unterhaltender Verführer und Spiegelhalter bereits eine Fama, die gleichermaßen beängstigt wie begeistert. Auf Basis von mitunter äußerst brutal einschlagenden Electro-Attacken macht er sein Publikum zu willfährigen Marionetten. Nur um darauf hinzuweisen, dass sie es selbst in der Hand haben, die Fallstricke zu kappen. Ja, letztlich ermutigt The Snatcher zur Freiheit. Da kann er sich noch so arrogant anmaßend gerieren („if that’s entertainment, I am the entertainer“): Es gilt, ihn zu überwinden. Der „Puppenspieler von Mexiko“ geht dann endgültig in Ruhestand.

(thesnatcher.de)

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Schmissige Sounds, punktgenaue Aussagen, augenzwinkernd ernste Showtime: Ein besserer Auftakt zum vierten Treffen-Tag lässt sich kaum erdenken. Kommt alle! Wer es dann bereut, hat etwas gelernt. Und wer nicht (und davon darf ausgegangen werden), der darf sich glücklich schätzen, einen kommenden Szenestar in intimer Umgebung erlebt zu haben.

Vorgeschmack gefällig?!

Vorbild:
thesnatcher.bandcamp.com/track/vorbild-single-edit

Troubled Mind:
youtube.com/watch?v=8_J85XBIKjc

thesnatcher.de
under-the-tongue.com

sixtina.net

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