Neben dem auf deutschen Konzertpodien häufig gespielten Cellokonzert op. 85 von Edward Elgar, das zum 10. Sinfoniekonzert in der Weimarhalle am kommenden Sonntag und Montag auf dem Programm steht und von dem jungen Solisten Andrei Ionita bestritten wird, sind zwei große Orchesterwerke vertreten, die eine frische Meeresbrise an die Ilm tragen: Benjamin Brittens Four Sea Interludes, die dieser als Zwischenspiele zu seiner Oper Peter Grimes (1945) konzipierte, sowie Claude Debussys oft in einem Atemzug damit genannte, wiewohl deutlich früher entstandene symphonische Dichtung La Mer (1903-05).

Der 23jährige Cellist wird am 11. und 12. Juni in der Weimarhalle, jeweils um 19.30 Uhr mit Elgars Cellokonzert op. 85 zu hören sein. Er wurde bereits als New Generation Artist der BBC 2016 - 2018 ausgezeichnet (Foto: TVW).
Der 23jährige Cellist aus Bukarest wird am 11. und 12. Juni in der Weimarhalle, jeweils um 19.30 Uhr mit Elgars Cellokonzert op. 85 zu hören sein. Er wurde bereits als New Generation Artist der BBC 2016 – 2018 ausgezeichnet (Foto: TVW).

Die beiden Fantasien über das Meer bilden die Eckpfeiler der beiden Konzertabende mit der Staatskapelle Weimar, für die der Rumäne Christian Macelaru, als Nachwuchsstar einer neuen Dirigentengeneration gehandelt, mit dem Taktstock verantwortlich zeichnet. Beim Münchener Publikum verdiente er sich erst Anfang April Lorbeeren durch seine Bereitschaft, kurzfristig anlässlich eines Konzerts mit dem Pianisten Emanuel Ax für Mariss Jansons einzuspringen.

Stürmische See bei St. Govans (Mike Graham, 1.1.2007, CC-Liz.)
Das Meer- eine beständige Inspirationsquelle für Komponisten und andere Künstler: Stürmische See bei St. Govans (Mike Graham, 1.1.2007, CC-Liz.)

Im Fall von La Mer wird bekanntlich das Bemühen des Komponisten mustergültig deutlich, harmonische Spannungen nicht mehr im Sinne der Funktionsharmonik geregelt aufzulösen, was den charakteristischen „schwebenden“ Klangeindruck erzeugt, und dem Schlagzeugapparat im Orchester Triangel, Tamtam und Glockenspiel hinzuzufügen. Die Instrumentation tut ihr übriges, um dem Hörer der drei Skizzen Morgengrauen – Spiel der Wellen – Dialog zwischen Wind und Meer die Verschmelzung von Naturerlebnis und Einbildungskraft zu suggerieren. Als aus den rhythmischen und melodischen Fugen geraten erweist sich im Verhältnis zur romantischen Musik des 19. Jahrhunderts auch die an- und abschließend hinzugefügte „ägyptische Tanzlegende“ Khamma, auf die die Besucher des Konzerts wegen ihrer selteneren Live-Präsenz besonders gespannt sein dürften.

 

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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