Siavash Amini - TAR

Traum ohne Deutung

Nachdem der 1987 geborene, im Südiran aufgewachsene und bis heute in Teheran lebende Klangelektroniker auf seinen ersten drei Alben eine doch recht barsche Ästhetik zum Leben erweckte (die ihm nichtsdestotrotz mit der Anerkennung von Postillen wie „The Wire“, „The Quietus“ oder auch dem „Guardian“ gedankt wurde), lässt Siavash Amini auf TAR (Hallow Ground) grimmig anstrengende Szenarien allenfalls noch latent gewähren.

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Siavash Amini: "TAR" (Hallow Ground)

Siavash Amini: „TAR“ (Hallow Ground)

Denn das im diesjährigen Februar im Rahmen des CTM Festival Chapters Fear Anger Love Edition erstmals aufgeführte, vierhebige Werk erweckt vielfach einen eher zurückgenommen kontemplativen und hintergründig argumentierenden Eindruck, der ausgezeichnet mit seinem gedanklich vorangestellten Thema harmoniert. So soll TAR dazu beitragen, das fragile Spannungsverhältnis zwischen dem individuellen und dem kollektiven Unterbewusstsein zu erhellen.

Mag dieser Ansatz inzwischen auch etwas generisch anmuten, so schmälert dies kaum das musikalische Ergebnis, das zwischen Zuversicht, Argwohn und Vorahnung kühn vermittelt. Wodurch sich kaum noch entscheiden lässt, welchen (auch emotional gelernten) Zuständen bevorzugt Ausdruck verliehen wird. Also: eine angemessene Gewichtung. So wie sich das individuelle Unterbewusstsein in den Träumen seines Urhebers manifestiert, lässt sich – etwa anhand einer Traum-Enzyklopädie – auch das kollektive Arsenal der Metaphern in Archetypen übertragen.

Ob sich somit auch die Unvermeidbarkeit religiöser Erfahrung reklamieren ließe, braucht Siavash Amini indes nicht zu beirren. Jedoch würden auch bei seinen Soundscapes Feldversuche, die darauf abzielten, die Reaktionen auf das Gehörte multikulturell zu ergründen, letztlich mehr über das Wesen seiner Musik zutage fördern, als das Dafürhalten der Wenigen, die sich hierzu berufen fühlen.

So bleibt – mal wieder – nur die Empfehlung, es mit TAR aufzunehmen. Und daran zu erinnern, dass der eigentliche Alptraum – auch in kollektiver Dimension – verlässlich mit dem Erwachen einsetzt.

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