Laibach - Also sprach Zarathustra

Von Düsen, Peitschen, Nächten

In der Nachfolge großartiger, gleichsam dem Theater geschuldeter Konzeptalben (Krst Pod Triglavom) legen Laibach mit Also sprach Zarathustra (Mute/[PIAS]/Rough Trade) ein Werk vor, das vollkommen ohne Richard Strauss auskommt. Und dennoch der Essenz Nietzsches eher entspricht, als sämtliche Missverständnisse, die das geistige Erbe des Denkers bis heute in schier notwendiger Weise begleiten.

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Laibach: "Also sprach Zarathustra" (Mute/[PIAS]/RTD)

Laibach: „Also sprach Zarathustra“ (Mute/[PIAS]/RTD)

Im slowenischen Novo Mesto (Nova Akropola?!) feierte die Theateradaption (APT) des Zarathustra bereits im vergangenen Jahr seine Premiere. In Unkenntnis dessen, was dort im Raum zum Schauen geboten ward und wird, einige Sätze zu dem, was Laibach beigetragen haben. Die Bilder im Kopf entstehen ja ohnehin von ganz allein.

Genau. Allein vom Gefühl her passen Laibach und Nietzsche wie Arsch auf Eimer. Nur: Während das slowenische Künstler-Kollektiv mit traumhafter Sicherheit falsches Denken entlarvt, muss der olle Friedrich bis heute – und wahrscheinlich noch weit darüber hinaus – mit dem Makel schier unvermeidbarer Fehldeutung leben.

Wenn Laibach zum Abschluss ihrer nun vorliegenden Arbeit das Kernkapitel Von den drei Verwandlungen zu einem Soundscape aus Düsentriebwerken destillieren, könnte es sich auch um die der zivilen Luftfahrt handeln. Würde nur kaum jemand vermuten, so er meint, Laibach kennen und also deuten zu können. Ähnlich Nietzsche, etwa in Bezug auf – Frauen. Und die Peitsche. Oder – sollte es sich bereits herumgesprochen haben, dass die Züchtigung stets das Eigenbrot des Züchtigenden ist?

Auf der klanglichen Ebene brillieren Laibach mit einer durchaus leicht fasslichen Variante tiefgründig düster synchronisierten Ambient. Der Liedform geschuldet, dem Ausdruck gewidmet. So Milan Fras dann Sentenzen wie „Wir haben das Glück erfunden“ skandiert, kann man sich die weitere Auseinandersetzung mit der extrem verdichteten Vorlage literarischer Natur fast schon sparen. Nicht jedoch die mit der Genealogie der Moral, die zum Verständnis des Zarathustra absolut vonnöten ist. Eine Auseinandersetzung, die heutzutage nötiger erscheint als je zuvor.

Die Peitsche bleibt unter Verschluss, denn „dunkel ist die Nacht“. Wem GAS („Narcopop“) zu indifferent ausfällt, muss hier zugreifen. Mehr Bruckner als Wagner. Ergreifend ohne doppelten Boden. Und von einer Trauer umgarnt, bei der einem Angst und Bange werden könnte. Wäre da nicht die Morgenröte. Und das Heil der Vorurteile, des Ressentiments. Ironische Brechungen müssen nicht zwangsläufig zum Lachen animieren. Auch wenn sich Laibach mal wieder als großartige Komödianten erweisen.

laibach.org

 

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