Mia Zabelka & Asférico – The Broken Glass

Vom Spiel zur Liturgie

 

Mia Zabelka & Asférico: "The Broken Glass" (Störung)

Mia Zabelka & Asférico: „The Broken Glass“ (Störung)

Musikalischen Grenzgängern dürfte die österreichische Klangkünstlerin Mia Zabelka zumindest von ihrem Album M (Monotype Records) geläufig sein; Asférico hingegen in Form seines Alias Alex Gámez, das 2006 zu Barcelona die Label-Plattform Störung ins Leben gerufen hat. Genau dort ist mit The Broken Glass eine Veröffentlichung ans Zwielicht der Welt gelangt, deren assoziative Prachtentfaltung zwischen knarzenden Luftballons, Geigerzählern, scharrenden Erdmännchen, Zen-Tempel, Spaceloops und den Gesängen der Buckelwale beim Eintritt in die Fischfabrik oszilliert.

Die beiden Primärteile zerbrochenen Glases (denen auf der CD-Version anhand von Sonidos del Subconsciente II noch ein weiterer, diesmal vierzig minütiger Trip hinzugefügt wird) exerzieren einen absolut klaren Bruch. Derweil ein beiläufig cleveres Spiel mit dem Vermögen von Wiedererkennen und Zuordnung getrieben wird. Was im ersten Teil als „abstrakte“ Klang-Kollektion die Aufmerksamkeit gar überzustrapazieren droht, wird anschließend in die Wogen profaner Proto-Synthetik überführt. Eine äußert charmant aufbereitete Zumutung.

Gern geschehen. Doch zielt die Erwerbsempfehlung klar auf die Extension der digitalen Darreichungsform ab. Die „Geräusche des Unterbewusstseins“ erweisen sich als Verlautbarung post-industrieller Schizophrenie, deren heiliger Ernst der Verspieltheit der beiden vorangegangenen Sujets jene Szenarien performativer Tristesse sowie einer sich zerreibend zermalmenden Ausdifferenzierung voraus hat, die eine Liturgie des alltäglichen Erlebens zur Einfühlung am Ende vielleicht sogar benötigt.

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