Joanne Pollock – Stranger

Agaetis Byrjun

 

Joanne Pollock: "Stranger" (Timesig/Planet Mu)

Joanne Pollock: „Stranger“ (Timesig/Planet Mu)

Künstlerisch eng mit Venetian Snares‘ Aaron Funk verbandelt (es sei an das gemeinsame Projekt Poemss erinnert) entspannt die Kanadierin Joanne Pollock auf ihrem Full Length-Debüt Stranger (Timesig/Planet Mu) eine Selbstbeschau der durchweg unterhaltsamen Art. So ihr auch, samt ihres beeindruckenden Stimmumfangs, die Fama der Folk-Sängerin vorauseilt, steht das artifizielle Ziselieren gegenüber der Naturbelassenheit klar im Vordergrund.

Neben dem vokalen Vermögen eigen sich insbesondere die animativ verschachtelten Electro-Arrangements zum aufmerksamen Vernehmen. Die sporadischen Entfernungen von sich selbst als lyrischem Ich lässt Joanne Pollock indes nicht allzu weit von ihrem Primärausdruck abrücken: Zwar gesellen sich vereinzelt barsche Lärmsprengsel zur lieblich verschrobenen Melodik – und doch ergibt sich ein insgesamt stimmiges wie stimmungsvolles (Spiegel-) Bild: weder überladen, noch zu schwach (minimal) bestückt.

Wenngleich Joanne Pollock kaum ein ersichtliches Interesse daran aufweist, ihre Autovision mit verfinsterten Dramaturgien aus Leid und Zweifel aufzubauschen, lässt sie sich graduell durchaus in die Riege der neuen Schwerenöterinnen (Nicole Sabouné etc.) einteilen. Allein um zu unterstreichen, inwiefern es ihr gelingt, emotionale Verbindlichkeiten zu schaffen, die weit über zweidimensionale Befindlichkeitsanmutungen hinausreichen.

Und wenn sie dabei ab und an den Zug zum Song etwas vermissen lässt, so scheint diese Nachlässigkeit doch sehr wohl beabsichtigt zu sein. Mit Stranger hat Joanne Pollock zumindest schon mal so einiges vorzuweisen, von dem womöglich alsbald auch auf der großen Bühne des Weltinteresses die Rede sein wird.

Expect Me:
youtube.com/watch?v=Q7SuBvvVEak

joannepollock.com
facebook.com/joannepollockmusic

dense.de

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!