Kraft - Harvest Of Despair

Stimulanz ohne Rücksicht

 

Kraft: "Harvest Of Despiar" (Opa Loca Records)

Kraft: „Harvest Of Despiar“ (Opa Loca Records)

Aus einer der hässlichsten Städte des westlichen Europas (Rotterdam) kommt ein Album, das seiner Herkunft alle Ehre erweist: Harvest Of Despair (Opa Loca Records) von Robert Hofman, von – nur Gutes verdient den Namen – Kraft. Nicht zuletzt von ukrainischen Ereignissen inspiriert, gebärdet sich dieser Neo-Grime/Neo Folk/No Genre- Hybrid – als wahrer Bastard. Im höchsten Maße gefährlich, samt Kanten, Ecken und noch so manchem mehr, an dem man sich böse stoßen könnte.

Allein der Parforce-Auftakt (The Dreadful Hours) zielt mit seiner von 33 auf 45 gepitchten Rücksichtslosigkeit – auf achteinhalb Minuten – in sämtliche Eingeweide. Was folgt, ist eine weitere gute Stunde aus geschmacksiecher Komplettverwirrung: der Albumtitel ist Programm! Death In June, Current 93 und noch so manch andere, von hehrer Verzweiflung indoktrinierte Großgeister schwingen mit, so man selbst nicht imstande ist, einen Track wie Gold Into Lead in Gefilde einzugemeinden, die sich Eyeless In Gaza schimpfen. Sex und Schuld, Mozart im Folgenden.

Für einen gefährlich Halbwissenden erweist sich Kraft mit Harbour Of Despair als ein Füllhorn schlechtesten Gewissens. Alles bleibt in der Schwebe; was heran weht, muss sich als Trugschluss erst noch erweisen. Letztlich auch auch als ein Stimulanz fürs Wachstum von Zehennägeln, mit denen sich der Schizophrenie ins gallig geblendete Auge stechen lässt. Kurzum ein großartiges Album, an dem selbst navigatorisch gewandte Seefahrer ihre Freude haben dürften. Ahoi.

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