Kammerphilharmoniker rätseln mit Klangreden über große Fragen

Im wunderbaren Adagio (KV 580a) von Wolfgang Amadeus Mozart singt Mayer dann auch noch mit dem Englischhorn in seiner schnörkellosen Art, in der er einzelne Töne ergreifend lange vom vibratofreien Anfang zum schwingenden Höhepunkt „aufblühen“ lässt. Mit sehr ruhigem Tempo „deklamiert“ er die letzten Töne und lässt die Musik in einer großen Frage ausklingen – dabei hörte vermutlich jeder Zuhörer etwas anderes heraus. Nur was?

Rätselhaftes Meisterwerk: Schuberts »Unvollendete«

Die Celli lassen ihre dunkle, tiefsinnige und schaurig-schöne Anfangsmelodie (fast) aus dem Nichts kommen und steigern diese „angespannte Stille“ noch bei der Wiederholung in der Reprise. So kann sich anschließend das ganze Orchester lange anhaltend bis zum dröhnenden Fortissimo steigern. Die Musik wird durch ihr faszinierend kammermusikalisches Spiel enorm lebendig und kontrastreich. Ein musikalisch ausgefochtener Dialog zwischen bezaubernder Melodie und einem geradezu vernichtenden, tobenden Chaos wird damit sehr plastisch.

Im zweiten Satz erhebt sich erneut die Oboe wie schwebend über das Orchester und„singt“ eine der recht wenigen, aber dafür umso ergreifenderen Melodien dieser Symphonie in h-moll. Mit ihrer intensiven Interpretation erreichen die Bremer am Ende ein hohes Ziel: sekundenlang herrscht Stille – bis das vermutlich obligatorische Husten wieder in die Realität des Vorfrühlings holt…

Doch da ja nicht nur Wagner-, sondern ebenso Verdi-Jahr ist, bekommt das begeisterte Hamburger Publikum eine besondere Zugabe: das zwei Jahre vor der Oper Aida entstandene Streichquartett in e-moll mit dem Streichorchester gespielt. Verdis Liebe zur großen Oper und zur Dramatik werden so plastisch gespielt, dass sich aus den Streicherklängen der Gesang fast schon heraushören lässt…

Mit langem Applaus zeigt das Hamburger Publikum erneut seine große Sympathie für die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen.

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Über Matthias Berg

"Startphase" mit Praktikum bei der taz und Studium in Hamburg & Bonn (Geographie & Journalistik). Arbeitet freiberuflich in Kiel und kreuzt dabei leidenschaftlich gerne mit Cello oder Segelschiff über Musik- & Meereswellen.