Das Achava-Festival 2017

Eine Brücke zwischen den Kulturen

Kurz vor der Eröffnung des diesjährigen Achava-Festivals am 31. August sollten sich Interessierte und für die Begegnung der Kulturen offene Bürger und Gäste die Bandbreite der Veranstaltungen im Überblick vergegenwärtigen. Allen, die für Klassik ein offenes Ohr haben, sei die Aufführung von Verdis Messa da Requiem am 8. September um 19.30 Uhr auf den Erfurter Domstufen empfohlen, die im Gedenken an Rafael Schächters Aufführung des Werks im Ghetto Theresienstadt während der nationalsozialistischen Inhaftierung stattfindet. Sie wird getragen von der Staatskapelle Weimar mit Kirill Karabits am Pult und dem MDR-Rundfunkchor.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Zum Gedenken an Schächters Aufführung von Verdis 'Messa da Requiem' im Konzentrationslager Theresienstadt: Kultureller Widerstand gegen die Barbare des NS-Regimes (Titelblatt Ricordi 1874, It. p.d.)

Zum Gedenken an Schächters Aufführung von Verdis ‚Messa da Requiem‘ im Konzentrationslager Theresienstadt: Kultureller Widerstand gegen die Barbare des NS-Regimes (Titelblatt Ricordi 1874, It. p.d.)

Die Erinnerung an die ebenso denkwürdige wie verstörende Manifestation eines kulturellen Widerstands gegen staatliche Gewalt und die Ghettoisierung vieler tausender Menschen vor ihrer Vernichtung wirft ihre Schatten auf alle weiteren Achava-Veranstaltungen mit ernster Musik im Jahr 2017. Auf dem Programm des Philharmonischen Orchesters Gera stehen am 6. und 7. September Werke von Komponisten, die nach der russischen Oktoberrevolution 100 Jahre später Aufmerksamkeit auf sich ziehen, weil sie unter den schwieriegen Bedingungen des sowjetischen Kulturdiktats arbeiten mussten. Zwiespältig war etwa die Stellung eines Vertreters des Machtapparats als Generalsekretär des Sowjetischen Komponistenverbandes, nämlich Tichon N. Chrennikovs, der gleichzeitig Zeichen gegen Antisemitismus setzte und Dmitri Schostakowitsch unterstützte. Chrennikovs Klavierkonzert Nr. 2 in C-Dur erklingt im Konzertsaal Gera an beiden Tagen um 19.30 Uhr neben Schostakowitschs Symphonie Nr. 13 b-Moll und Khatschaturjans Adagio aus dem Ballett Spartacus.

Aram Khatchaturjan (im Bild rechts) neben Sergej Prokofiev und Dmitri Schostakowitsch (1940, US p.d.)

Aram Khatchaturjan (im Bild rechts) neben Sergej Prokofiev und Dmitri Schostakowitsch (1940, US p.d.)

Der Jugend Abrahams widmet sich die Kammeroper von Michail Gnesin nach den Legenden aus der Aggada; sie wird in der Orchestrierung von Boris Filanovsky in hebräischer Sprache mit deutschen Übertiteln am 10. November um 19.30 Uhr uraufgeführt, auf Geras Bühne am Park. Im Vorfeld ist Josef Tals Opera Concertante Saul in Ein Dor zu hören – ebenso eine Rarität in deutschen Konzertprogrammen. Dass sie möglich wird, liegt an einer institutionenübergreifenden Zusammenarbeit zwischen dem Festspielveranstalter, dem Lehrstuhl für Geschichte der jüdischen Musik an der Musikhochschule Franz Liszt Weimar und Deutschlandfunk Kultur.

MoZuluArt bezeichnet eine Verschmelzung von Zulu mit Mozarts Musik, zu hören in Erfurt, Max.-Welch-Str. 6, am 31.8. um 20 Uhr und 22 Uhr (Bild: Aufführung in Warschau, September 2007, Henryk Kolowski, CC-Liz.).

MoZuluArt bezeichnet eine Verschmelzung von Zulu mit Mozarts Musik, zu hören in Erfurt, Max.-Welch-Str. 6, am 31.8. um 20 Uhr und 22 Uhr (Bild: Aufführung von Guggenbichlers MoZuluArt in Warschau, September 2007, Henryk Kolowski, CC-Liz.).

Das Achava-Festival gewinnt seine überregionale Bedeutung aber nicht nur auf dem Feld der Künste mit Klassik, Tanztheater, Gypsy, Klezmer, Jazz und Ausstellungen. Den problematischen und ebenso den revolutionären Seiten Martin Luthers widmen sich etwa die Erfurter Religionsgespräche am 4., 5. und 7. September, eine Lehrerfortbildung am 9. September um 10 Uhr an der Universität Erfurt gilt dem interkulturell wichtigen Thema Juden in der arabisch-islamischen Welt.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.