Interview mit Assaf Kacholi

„Ich bin ein offener Purist“

Assaf Kacholi: "Berlin Tel Aviv" (Springstoff/Indigo)

Assaf Kacholi: „Berlin Tel Aviv“ (Springstoff/Indigo)

amusio: „Die Nähe ist gegeben…“

Assaf Kacholi: „Das stimmt, die meisten Kantore sind Tenöre. Vermutlich weil der Tenor auch den weiblichen Aspekt in sich trägt und somit ganzheitlich menschlich klingt. Was man von einem Countertenor, der ich nicht bin, schon nicht mehr behaupten kann. Immerhin: Frauen lieben Tenöre (lacht).“

amusio: „Wann hast du den gesanglichen Womanizer in dir entdeckt?“

Assaf Kacholi: „Erst relativ spät. Ich habe als Bariton angefangen, meine Aufnahmeprüfung in Tel Aviv jedoch schon als Tenor gestemmt. Es war ein Kampf. Die Erlangung von Technik und Tricks fürs Repertoire zog sich hin. Eigentlich habe ich erst anlässlich der Recording-Sessions mit Adoro das Gefühl dafür entwickelt, ein ‚fertiger‘ Tenor zu sein (lacht).“

amusio: „Was meinst du mit ‚fertig‘?“

Assaf Kacholi: „Nun, ich habe meine Claims abgesteckt. Ich bin sicherlich kein Puccini-Tenor; so sehr ich das auch mag. Ich bin lyrischer Tenor, Kammer- oder Theatermusik ist mein Metier.“

amusio: „Da passt Schubert gut ins Klangbild…“

Assaf Kacholi: „Ich habe seine Lieder gesungen, noch bevor ich mich der deutschen Sprache bemächtigten konnte. Fritz Wunderlich und Dietrich Fischer-Dieskau begleiteten mich von Kindesbeinen an, doch ihrem Repertoire habe ich mich erst spät angenähert. Für das Album wollte ich nichts von den Zyklen, wie etwa der Winterreise von Schubert singen. Ich finde, das Ständchen gilt als eine Art Spiegel der deutschen Kunstlied-Gestaltung. So charakteristisch zurückhaltend emotional. Komm beglücke mich, klingt wie das dringende Sehnen nach einem geteilten Orgasmus. Doch anschließend zieht sich die Stimme sofort wieder in die intellektuelle Ebene der Intimität zurück…“

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